13 plus 1: Starke Meinungen zum Gendern

Zusammenfassung meiner #BlogparadeGendergerechtigkeit

Meine erste eigene Blogparade lief vom 8. bis 28. März und sollte mir – neben mehr Reichweite, Bekanntheit und Vernetzung – vor allem neue bzw. weiterführende Erkenntnisse zum Thema Gendern bringen.

Das Thema „Brauchen wir mehr Gendergerechtigkeit in der Sprache?“ treibt mich als Texterin und Frau schon lange um – und manchmal fast in den Wahnsinn: Denn so einfach runterschreiben kann ich vieles nicht mehr. Immer schwingt mit, ob, wo und wie ich gendern muss – oder will, wie das die Lesefreundlichkeit des Textes beeinflusst oder wie ich selbst eigentlich dazu stehe…

Weil ich beim Schreiben meines eigenen Beitrags dazu merkte, dass ich selbst auch noch keine eindeutige Haltung dazu gefunden habe, hatte ich die spontane Idee, eine Blogparade anzustoßen. Und welcher Starttermin wäre dazu besser geeignet gewesen als der Frauentag am 8. März?

Zur Veröffentlichung eingereicht habe ich die Blogparade auch auf Blogparade.net, damit sie auch Menschen außerhalb meines eigenen Netzwerkes erreicht – aufregend!

Das scheint gelungen zu sein, denn neben den Frauen aus meinem Netzwerk (die die Blogparade netterweise auch in ihren Netzwerken geteilt haben – zum Beispiel bei den „Textinen“ im Texttreff – haben sich auch einige mir bisher Unbekannte getraut, einen Beitrag zu verfassen. Getraut deshalb, weil das Thema Gendern gerade wieder sehr heftig und kontrovers diskutiert wird. Ich bin sehr stolz, dass bis zur kurz verlängerten Frist am 28. März 13 spannende Beiträge von 13 Frauen eingegangen sind, die ich hier heute zusammenfassend vorstellen möchte.

Ist Gendern weiblich? Wo sind die Beiträge der Männer?

Sehr schade finde ich, dass sich Männer leider erst gar nicht dazu geäußert haben – denn auch männliche Texter stehen ja vor der selben Herausforderung, wenn sie für sich oder andere schreiben… Oder etwa nicht?! Interessehalber machte ich mich auf die Suche nach Männern, die ggf. Beiträge dazu verfasst haben und vielleicht ja sogar für das Gendern stehen – und wurde dank des Hinweises einer Freundin auf LinkedIn fündig: Ole Puls von der Agentur Komm.Passion hat geschildert, wie er und seine Kolleg:innen das mit dem Gendern sehen und sich ganz klar für die Notwendigkeit desselben entschieden. Vorbildlich!

Kurz vor Schluss hat sich dann doch noch ein Mann gemeldet, der leider vergessen hatte, den Link „regelgemäß“ zu seinem Beitrag im Kommentar zu teilen – so hatte ich ihn tatsächlich erst übersehen. Aber weil der Aspekt von Robert Reinwaldt durchaus Potenzial hat, erwähne ich ihn hier trotzdem – er hat nämlich untersucht, ob „weibliche“ bzw. gegenderte Keywords überhaupt von Suchmaschinen wie Google gefunden/berücksichtigt werden? Darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht! Sein Fazit: „Bei meiner persönlichen Recherche konnte ich feststellen, dass es im Ranking der Ergebnisliste von Google durchaus eine Tendenz – dass weibliche Berufsbezeichnungen eher weiter unten und männliche Berufsbezeichnungen eher in den oberen Rängen zu finden sind – zu geben scheint.“ Für SEO ist das neue Gendern mit Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I seiner Meinung nach eher kontraproduktiv – fallen hier die rein weiblichen Bezeichnungen doch ganz weg, sodass die Suchmaschine diese gar nicht mehr „lernen“, suchen und finden kann. Auch bei der neuen Art der Stellenausschreibung – z. B. Designer (m/w/d) – trifft das zu. Richtig spannend finde ich Roberts Bonus-Tipp – den kannte ich nicht: Google hebt von Frauen geführte Unternehmen hervor! Den Vorteil sollte man also als Frau unbedingt nutzen!

Hier geht es zu seinem Text: Google: Nachteile bei von Frauen geführten Unternehmen?

 

Jetzt aber zu den einzelnen Beiträgen – in der Reihenfolge des Einreichens:

1. Judith Peters und das generische Femininum

„Zwei Dumme – ein Gedanke“ – das habe ich gedacht, als ich Judith Peters Text zum Weltfrauentag las. Sie hat nämlich – unabhängig von meinem Aufruf zur Blogparade – zeitgleich ihren Text zum Gendern veröffentlicht und ihn auf meine Bitte hin auch noch unter meinem Aufruf kommentiert – denn besser konnte der Start der Blogparade ja gar nicht anlaufen. Judith aka Sympatexterin ist der kreative Kopf der “The Content Society“-Bloggergemeinschaft, der ich seit Januar 2021 angehöre und in der 80 Frauen wöchentlich bloggen, sich vernetzen und sichtbar werden.

Ihre Sicht: Ab sofort verwendet sie nur noch das generische Femininum in ihren Texten, auf ihrer Website und auf ihrem Blog. Denn zum einen findet sie, dass das nur ausgleichende Gerechtigkeit für das jahrhundertelang benutzte generische Maskulinum ist. Zum anderen hat sie derzeit ausschließlich weibliche Kundinnen in ihren Online-Kursen, sodass sie mit der weiblichen Ansprache ohnehin goldrichtig liegt. Ich finde das eine wunderbar konsequente Haltung, die hier perfekt passt! Das sagt Judith selbst:

Mein Beitrag zur Gendergerechtigkeit: Ich benutze seit Kurzem (aber nach jahrelangem Nachdenken) das generische Femininum. Nicht nur, weil derzeit 100 % meiner Kursteilnehmerinnen weiblich sind, sondern weil auch meine Zielgruppe vornehmlich weiblich ist (obwohl ich bisher nie explizit Frauen angesprochen habe. Meine Erfahrung: Männer gehen nicht in Kurse, die von Frauen gegeben werden, weil diese Kurse dann automatisch „Frauenkurse“ sind). Und ich habe für mich entschlossen: Ich bleibe auch dann beim generischen Femininum, wenn Männer meine Kurse buchen sollten. Denn hey, in „Bloggerin“ ist auch der männliche „Blogger“ enthalten. Andersherum gilt das nicht!

Hier geht es zu ihrem Text: Der Blogger? Die Bloggerin! Warum ich ab jetzt das generische Femininum nutze

 

2. „Susi häkelt“ und die juristische Perspektive

Susanne Gessl ist mit ihrem Hobby bzw. zweiten Standbein Häkeln sichtbar im Netz. Insofern scheint ein Beitrag zum Gendern weit weg von ihrem Thema zu sein… Aber als studiere Juristin hat sie einen sehr genauen Blick auf die „Buchstaben des Gesetzes“ und Sprache insgesamt. In Gesetzestexten ist jeder einzelne Buchstabe wichtig, sagt sie: „Denn der Grundsatz lautet, kurz gesagt: Was im Gesetz steht, steht da aus gutem Grunde drin und was nicht drin steht, wurde aus gutem Grunde weggelassen.“ Deshalb ist sie der Meinung, dass Sprache dynamisch bleiben und unbedingt alle Menschen gerechterweise sichtbar machen und Einzelne nicht nur mitmeinen muss!

Susi nutzt selbst den Doppelpunkt – und plädiert darüber hinaus für noch weitergehende Gerechtigkeit und Gleichberechtigung von Frauen, nicht nur in der Sprache, sondern auch z. B. bei zeitgemäßen Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen oder der Frage nach der Familienplanung in Personalgesprächen. Auch in ihrer Häkelcommunity ist da noch Luft nach oben, wie sie findet: „Solange es in den Köpfen keine wahre Gleichstellung gibt, solange müssen wir über Gleichstellung reden.“ Ihren Schluss-Satz finde ich bemerkenswert: „Sprache ist wichtig. Wörter bedeuten etwas und betreffen das Leben von echten Menschen. Wählen wir sie weise.“ Insofern ist das konsequente Gendern für sie ein Schritt in diese richtige Richtung.

Hier geht es zu ihrem Text: Gendergerechte Sprache – brauchen wir das überhaupt noch?

 

3. Rosa Pessl hat sich als Bösewichtin Gedanken gemacht

Kontrovers steigt Rosa in ihren Text ein und stellt sich und uns als „Bösewichtin“ – einem der vielen neuen Wörter, die es in den DUDEN geschafft haben – diese Frage: „Warum sind wir so versessen darauf, das biologische Geschlecht zu betonen?“ Und ergänzt: „Ich verstehe das Raunen und Murren, ja auch den aggressiven Wind gegen das Gendern.“  Rosa ist – wie ich – hin-und hergerissen zwischen der Notwendigkeit, in manchen Texten wie z. B. Stellenanzeigen zu Gendern, und der Tatsache, dass dies oft zu unlesbaren und schwer verständlichen Texten führt – z.B. bei Gebrauchsanweisungen oder Kursbeschreibungen. Sie fühlt sich als Frau selbstbewusst mitgemeint, wenn sie männliche Bezeichnungen liest – sitzt bzw. saß aber gleichzeitig selbst manchem Klischee auf, das durch Sprache hervorgerufen wird – zu „Kickboxing“ hat sie in einer Anekdote sehr bildlich beschrieben, wie sie das meint.

Ihr Lösungsansatz lautet daher, statt durch das Gendern noch mehr zu unterscheiden – und teilweise zu diskriminieren – lieber zeitgemäße, geschlechtsneutrale Begriffe zu finden und zu nutzen, z. B. Krankenhauspersonal oder Putzhilfe. Das altertümliche „Kundschaft“ gehört jedoch explizit nicht dazu… Noch einen Schritt weitergehend wünscht sie sich für alle Berufsbezeichnungen am liebsten die neutrale Form, z. B. „das Autor“ (Einzahl alle), „die Autoren“ (Mehrzahl alle), „die Autoriche“ (Mehrzahl männlich, wo gewünscht) und „die Autorinnen“ (Mehrzahl weiblich, wo gewünscht).

Deshalb bleibt sie bis auf Weiteres in ihrer Haltung zum Gendern flexibel: „Beim Schreiben lehne ich grundsätzlich ein starres Regelwerk ab. Ehrlich gesagt, möchte ich weiterhin meine Freude am Schreiben haben und nicht jedes Wort auf die goldene (Gender-)Waage legen.“ Rosas Ansatz finde ich sehr spannend – zumal ich selbst schon ein Buch gelesen habe, das in diese Richtung ging, weil es vor allem auch Ausländer:innen beim Erlernen der deutschen Sprache vieles erleichtern würde. Damit konnte ich mich aber (noch) nicht anfreunden…

Hier geht es zu ihrem Text: Eine Bösewichtin gendert – Gedanken zur gendergerechten Sprache

 

4. Manuela Seubert gendert auf ihrem Blog bereits seit 2019

Die PR-Frau Manuela Seubert befasst sich wie ich mit den unterschiedlichen Formen des Genderns, da es notwendigerweise zu unserem Berufsbild als Texter:innen gehört. Begonnen hat sie damit im Jahr 2019 zunächst mit dem Gendersternchen, wann immer es keine passende neutrale Form gab. Hierzu hat sie einen Blogbeitrag veröffentlicht. Mittlerweile nutzt sie – wie ich – den Doppelpunkt auf ihrer Website. Ihr aktualisierter Beitrag von März 2020 passt daher gut in meine Blogparade.

Sehr wertvoll fand ich ihren Hinweis auf das kostenlos herunterladbare Kompendium „Gendersensible Sprache. Strategien zum fairen Formulieren“ des BdKom (Bundesverband der Kommunikatoren e. V.) – dieses gibt einen sehr guten Überblick über alle Formen des Genderns und ihre Vor- und Nachteile. Auf Seite 38/39 gibt es zum Doppelpunkt durchaus eine kritische Haltung – man sieht also, dass keine Form bisher alle Eventualitäten abbildet, die das Gendern in der Sprache verursachen kann.

Hier geht es zu ihrem Text: Update zu meinem Gendern: Aus * wird : und sonst nix

 

5. Aylin Knapp und ihre Sicht als „Sauberkeitserzieherin“ auf das Gendern

Auf meine Blogparade ist Aylin durch eine Kollegin aufmerksam gemacht worden, und hat durchaus viele Parallelen zu ihrem eigenen Sprach- und Rollenbewusstsein, zu ihrem Business und der Verwendung von geschlechtergerechten Sprache erkannt.

Ihr sehr langer Beitrag rollt das Thema daher von vielen Seiten auf – nicht nur von der Tatsache her, dass ihr Expertenthema fast zu 100 Prozent weibliche Personen anspricht, die Frauen sich überwiegend für die Sauberkeitserziehung und Aufklärung und den Informationen dazu verantwortlich fühlen – und sie deshalb in ihren Texten immer die weibliche Form wählt. Toll finde ich, dass Sie in ihrem persönlichen Umfeld und den sozialen Medien Umfragen erstellt hat, um den Gründen dafür auf den Grund zu gehen.

Spannend auch ihr Blick auf die Kennzeichnung von WCs in Deutschland: Frauen und Männer gehen bei uns getrennt aufs Klo, was aber ist mit Kindern, queeren oder gehandicapten Menschen? Warum ist der Wickeltisch meist auf dem Frauen-Klo? Und warum gibt es überhaupt die Trennung – könnten doch alle Geschlechter und Altersgruppen dasselbe Klo benutzen? Bei der Geschlechterbezeichnung stellt sie ebenfalls diskriminierende oder rollenspezifische Bezeichnungen fest und wünscht sich auch hier eine sprachliche Änderung. Das sagt Aylin selbst:

Gendern in der Sprache ist für mich nur ein Baustein von vielen. Ob ich einen Menschen, und das was er tut wertschätze, achte und respektiere, zeigt sich für mich in viel mehr Dingen als nur der Sprache. Die Sprache ist sicher ein mächtiges Werkzeug. Was diese „vermischte“ Wortwahl mit uns und der Generation, die ihre Rolle gerade sucht, bewirkt, werden wir wohl erst im Rückblick beurteilen können. Ein Rollenbild als Orientierung braucht aber irgendwie jeder von uns. Sonst wären wir wohl kaum so fasziniert von unserem Spiegelbild. Ob uns das gefällt, was wir da sehen und uns damit identifizieren können, ist wieder ein anderes Thema.

Ihr Fazit zu meinem Blogparaden-Aufruf: „Die Idee hat mich dazu gebracht, mir meine Wortwahl noch bewusster zu machen.“ Darüber freue ich mich sehr!

Hier geht es zu ihrem Text: Sauberkeitserziehung = Frauensache? oder “Was der Genderwahn oder die Gendergerechtigkeit mit dem WC zu tun hat.”

 

6. Svenja Lehmann geht dem Gendern als virtuelle Assistentin auf den Grund

Meine Blogparade hat Svenja dazu motiviert zu schauen, was ihre bevorzugte Gendermethode ist, ob sie überhaupt eine hat und warum. Dabei stellt sie fest: „Ich bin uneinig mit mir selbst und möchte gendern am liebsten komplett vermeiden.“ Zumal ihre Kundinnen aktuell zu 100 Prozent weiblich sind – da hat sie mit Judith etwas gemeinsam. Doch seit 2020 gendert sie (noch) mit dem Gendersternchen. Interessant finde ich ihre Methode, sich u. a. die diversen DUDEN-Ausgaben einmal näher anzusehen – welche Ausgaben gibt es speziell zum Gendern (4) und wie oft findet sich in allen ihren anderen DUDEN-Printausgaben zu anderen Themen der Begriff „gendern“ (0)? Und welche Begriffe tauchen online auf, wenn man nur die ersten vier Buchstaben „gend“ (4) oder wenn man „gender“ (16) eingibt? Das sagt Svenja selbst:

Es gibt weitaus wichtigere Dinge als “korrektes gendern”, ich fühle mich nicht benachteiligt und ich schreibe weiterhin so, wie es mir in den Sinn kommt. Ob Sternchen, Schrägstrich, Doppelpunkt oder vielleicht irgendwann ein eigenes Zeichen, womit auch alle Tastaturen geändert werden müssten. Wer weiß das schon? Das wäre irre, aber nicht auszuschließen.

Hier geht es zu ihrem Text: GEN|der, die, das – muss das sein?!

 

7. Katharina Tolle schreibt Geburtsgeschichten in diskriminierungsfreier Sprache

Katharina hat sich zum Ziel gesetzt, Sprache diskriminierungsfrei zu nutzen. Doch sie sagt selbst: „Das ist nicht immer einfach. Manchmal vergesse ich es schlicht, andere Male entscheide ich mich doch bewusst für eine nicht diskriminierungsfreie Formulierung. Es ist Mehraufwand, den ich eigentlich gern betreiben möchte und der mich dennoch manchmal nervt.“

Auf ihrem Blog „Ich Gebäre“ verwendet sie in Bezug auf das Gendern geschlechtsneutrale Begriffe oder ganz bewusst das Gendersternchen, weil letzteres für sie mehr Inklusion und Gerechtigkeit bedeutet als der Doppelpunkt. Allerdings sieht sie auch die Probleme und Missverständnisse, die beide in der Nutzung hervorrufen können – gilt ein „*“ doch oft als Zeichen für eine Fußnote und der „:“ als hervorhebendes Zeichen, dass nun etwas Wichtiges folgt.

Abschließend stellt sie sich selbst folgende Fragen: „Mehr Inklusion zulasten der Positionierung? Mehr Marketing zulasten der Inklusion? Mehr Inklusion mit genauso guter Zielgruppenansprache?“ Ihre Antwort: „Ich bin noch immer nicht klar.“ Insgesamt bleibt sie deshalb offen für andere Entwicklungen und Veränderungen.

Ich freue mich besonders über diese Worte von ihr: „In jedem Fall bedanke ich mich bei Nicole Isermann für die Ausrichtung der Blogparade. Sie hat mir sehr geholfen, meine eigenen Gedanken zum Thema zu ordnen.“

Hier geht es zu ihrem Text: Sollte ein Geburtsblog geschlechtsneutral sein?

 

8. Gabriela Freitag-Ziegler und das Gendern in der Ernährungs-Kommunikation

Gabi kenne ich schon sehr lange – wir waren einmal Agentur-Kolleginnen – und freue mich daher besonders darüber, dass sie an meiner Blogparade teilgenommen hat.

Ihr Ansatz ist pragmatisch und kreativ – und für mich deshalb sehr gut nachvollziehbar. Gendern ist für Gabi eine Notwendigkeit – vor allem dort, wo Sprache einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung leistet. So nutzt sie in ihren Texten je nach Situation die männliche und weibliche Form, neutrale Bezeichnungen oder den Genderstern. Manchmal lässt sie fünfe gerade sein und bleibt beim generischen Maskulinum – wenn sie diesen Begriff so allgemein findet, dass es für sie passt – bei Akteur oder Multiplikator beispielsweise.

Hilfreich sind auch ihre Hinweise zum Gendern, die man im Netz findet und zu Rate ziehen kann: Zum Beispiel www.genderleicht.de  vom Journalistinnenbund oder Online-Sammlungen wie www.geschicktgendern.de. Dort bekommt sie Anregungen für ihre Texte – und verliert auch dann nicht ihren Humor, wenn sie auf Vorschläge wie „Fisch fangende Person“ statt Fischer/in oder „Lebensmittel verarbeitende Person“ statt Koch/Köchin stößt. Ihr Fazit: Kreativ gendern lernen, dabei locker bleiben und die Herausforderung annehmen.

Sehr herzlich lachen musste ich bei ihrem letzten Hinweis: Dem konsequenten Entgendern der Sprache nach Phettberg – einem österreichischen Aktionskünstler. Das könnte zukünftig immer dann die Lösung sein, wenn das Geschlecht von genannten Personen unbekannt oder im Zusammenhang nicht relevant ist. Und es geht kinderleicht. In der entgenderten Version wird immer am Ende des Wortes ein y im Singular bzw. ein ys im Plural angehängt: das Texty – die Textys. Beispielsatz gefällig?

„Liebe Kritikys, wenn es nicht mehr um das Geschlecht ginge, sondern den reinen Inhalt ded Geschriebenen, wäre uns Textys, Redakteurys und Journalistys doch sehr damit geholfen, oder etwa nicht? Was sagen Sie Lesy denn dazu?“ Ich gebe zu, dieser kreative Vorschlag hat was, aber ob ich persönlich mich je an „Textys“ etc. gewöhnen werde oder will, weiß ich jetzt noch nicht… Das sagt Gabi selbst:

Vielen Dank für deinen inspirierenden und klugen Beitrag und die Idee zu dieser Blogparade. Ich habe anfangs ziemlich mit dem Gendern gehadert und hatte wenig Lust, mich damit zu beschäftigen. Heute sehe ich das anders: Es stellt sich für mich nicht mehr die Frage, „ob“ wir gendern müssen, sondern nur noch „wie“, damit Sprache und Stil nicht leiden.

Hier geht es zu ihrem Text: Richtig gendern als kreative Herausforderung

 

9. Andrea Görsch von Wortladen hat 9 gute Tipps zum Gendern zusammengestellt

Kurz und knackig ist Andreas Beitrag. Ganz pragmatisch gibt sie neun hilfreiche Tipps, wie es mit dem Gendern beim Texten ohne viel Umstand klappen kann. Anlass ihres überarbeiteten Beitrags war u. a., dass die Stadt Hannover eine „geschlechtergerechte Sprache“ eingeführt hat. Ihre Anregungen finde ich super – diese 9 Tipps sollte sich jede:r ausdrucken und an den Schreibtisch hängen – so hat man auf einen Blick alle klugen Alternativen beisammen! Z. B. adjektivisch formulieren („der psychologische Rat“ statt „der Rat des Psychologen“) oder Plural bilden („Alle Auszubildenden müssen die Berufsschule besuchen.“ statt „Jeder Auszubildende muss die Berufsschule besuchen.“) Klingt eigentlich ganz einfach? Ja, finde ich – wie Andrea – auch! Das sagt Andrea selbst:

Vor Kurzem habe ich einen Blogbeitrag zum Gendern aktualisiert. In meinen eigenen Texten nutze ich den Genderstern, weil er auch andere Geschlechter einbezieht. Ich weiß, dass er bezüglich der Barrierefreiheit nicht die beste Lösung ist. Sprache ändert sich ständig, ich bin einfach nur froh, dass es nun endlich auch beim Gendern (kleine) Schritte gibt. Danke für diese gute Aktion!

Hier geht es zu ihrem Text: 9 Tipps zum Gendern

 

10. Andrea Rommel vom Stachelherz-Blog findet echte Gleichberechtigung wichtiger als das Gendern

„Wieviel Gleichberechtigung braucht es heute noch in unserer Gesellschaft?“ Das fragt sich Andrea zu Anfang und sucht Antworten. Auch ihr fällt eine eindeutige Haltung schwer – und den Sinn der absoluten Gleichstellung von Frau und Mann in der Sprache stellt sie in Frage – nicht aber in Bezug auf Rechte oder Rollen. Wichtig ist ihr vielmehr – und da stimme ich ihr zu – die Gendergerechtigkeit in der Sprache für Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig fühlen: „Durch die typische Einteilung in Frau oder Mann ist die Person in gewisser Weise gezwungen, sich zu entscheiden, wer „man“ ist. Das ist nicht zeitgemäß und benötigt eine gute Lösung.“  Das sagt Andrea selbst:

In meinen eigenen Blogartikeln versuche ich nach Möglichkeit immer an die Genderform zu denken. Dabei habe ich bis heute das „*in“ oder *innen*“ bevorzugt. Angeregt durch den Blogparadenaufruf von Nicole und ihrem Argument mit dem „:“, da dieser bei den Vorleseprogrammen für blinde  bzw. sehbehinderte Menschen besser verständlich ist, überlege ich nun, dies nun ebenfalls so umzusetzen. Vielen lieben Dank, Nicole – für das spannende Thema und Dein Engagement!

Hier geht es zu ihrem Text: Gendergerechtigkeit oder Genderwahn?

 

11. Texterin und Bloggerin Bärbel Gerhardt und ihre „Reise ins Genderland“

Bärbel hat früher nicht gegendert, weil es ihr u. a. zu sperrig war und sie sich lange als Frau mitgemeint hat. Dann hat sie die männliche Form beibehalten, aber den typischen „mitmeinenden“ Genderhinweis verfasst. Heute jedoch ist sie sich der Notwendigkeit bewusst und hat, wie ich finde, einen sehr guten, weil aktuellen Aspekt genannt: „Für mich fühlt sich die rein männliche Variante auch nicht mehr richtig an. Mir wird nämlich immer mehr bewusst, dass wir Frauen selbst in der westlichen Welt von Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir mit Corona und Homeschooling wieder ein ganzes Stück zurückgefallen sind.“  

Das sagt sie als Frau, die glücklicherweise nie Benachteiligungen im Privaten oder Beruflichen erlebt hat. Dennoch bringt ihr sehr stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden sie nun dazu, in ihren Texten zu gendern – ohne aber ihre Texte zu „verhunzen“. Auch Bärbel hat gute Tipps aufgelistet, die sie selbst beim Gendern ihrer Texte berücksichtigt – und sie sagt: Einheitlich solle die Form schon sein, für die man sich einmal entschieden hat – also nicht wild zwischen Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich hin- und herwechseln. Das sagt Bärbel selbst:

Gendern ist richtig und wichtig. Trotzdem werde ich sicher nicht ganz so rigoros und rabiat sein, wie z. B. bei der Rechtschreibung. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ich Newsletter nicht mehr abonniere, weil zu viele Fehler enthalten sind. Noch fühle ich mich auch beim generischen Maskulinum angesprochen, auch wenn ich nicht gemeint bin :-). In meinen Texten möchte ich aber trotzdem künftig nicht diskriminieren und die feminine Variante konsequent umsetzen.

Hier geht es zu ihrem Text: Gendergerechte Sprache – brauchen wir sie wirklich?

 

12. Patricia Guzmán hat lange in Kolumbien gelebt und bietet wertvolle Einsichten in die vertraute Fremdsprache

Patricia ist neben Gabi die 2. Teilnehmerin, die ich nicht nur virtuell, sondern auch im echten Leben aus Bonn kenne. Sie hat keinen Blog und ihren Beitrag daher in den Kommentar gepostet – ich gebe den Text deshalb hier vollständig wieder:

Braucht Deutschland eine gendergerechte Sprache? Beitrag zur #blogparadegendergerechtigkeit

Ja! Ich mach es kurz, weil schon so viel – keinesfalls zu viel – darüber gesprochen wird.

Ich bin zweisprachig aufgewachsen und in der Tat hat man ein anderes Bild vor Augen, wenn man für Meer im spanischen „el mar“ oder „la mar“ sagt, also „der“ oder „die“ statt „das“ Meer. Für mich ist das Meer kein Neutrum. Im Spanischen ändert das Wort Meer sogar das Geschlecht – je nachdem, wer es im Munde hat. Seeleute z. B. sprechen nur über „die“ Meer/la mar…

Genau erinnern kann ich mich auch an die Tage, wo ich in Kolumbien ins Kino ging und mit meinem erlernten Spanisch aus Spanien plötzlich am Schalter das Wort Ticket sein Geschlecht wandelte, sowie es bei der Glühbirne, dem Schlafanzug oder dem einfachen Wort Ding der Fall war. Ich fühlte ein Unbehagen.

Ich gebe es zu. Aber ich habe mich daran gewöhnt, weil es täglich in der anderen Form angewendet wurde.

Seit Wittgenstein wissen wir, dass Sprache sehr viel mit unserem Denken zu tun hat und dieses auch limitiert, nicht nur beflügelt. Wenn also Sprache gegendert wird, dann sind wir Frauen oder nicht binäre Menschen inkludiert, wir gewöhnen uns daran und irgendwann mal werden wir selbst selbstverständlich. Denn um nichts Geringeres geht es doch als um unsere Teilhabe, um unser Vorkommen.

Ich bin offen für das Gendern in der Sprache. Ja, es ist sperrig und ja, gewöhnungsbedürftig ist es allemal. Aber die Zeit ist reif. Wenn wir wollen, dass unsere Enkel_innen gleichberechtigte Menschen sind in einer Welt, in der sie auch vorkommen, dann müssen wir jetzt gendern.

Bestimmt haben auch diese klitzekleinen Begegnungen in verschiedenen Kulturen dazu beigetragen, dass ich offen für das Gendern bin. Wenn Deutschland will, wird es sich auch daran gewöhnen.

Aber will es das? Oder sprechen wir bald eh nur noch Englisch und das Problem ist gelöst?

Der Blick einer mehrsprachigen Person – noch dazu einer Frau – ist wie ich finde ein weiterer spannender Aspekt, den man beim Gendern berücksichtigen kann – ja muss, denn die Grammatik einer Sprache, mit der man fast genauso gut kommuniziert wie in der Muttersprache, hat vermutlich einen ganz wesentlichen Anteil daran, wie man zum Gendern steht und es umsetzt. 

 

13. Anette Schade entscheidet sich für das Gendern – und damit für mehr Geschlechtergerechtigkeit auch im wirklichen Leben

Wie auch ich hat Anette ganz viele verschiedene Aspekte in ihrem Beitrag aufgegriffen und ist der Meinung, dass es neben einer gendergerechten Sprache noch viele weitere Baustellen gibt, die wir als Gesellschaft angehen müssten, bis wir nicht nur in der Sprache zur Gendergerechtigkeit kommen. Ihr Fazit jedoch ist eindeutig: „Wer gendert, setzt sich aktiv für Gleichberechtigung und Chancengleichheit ein, verleiht den oben angesprochenen Problemen eine Stimme, sensibilisiert, schafft ein Bewusstsein für Mädchen und Frauen, sichtbar zu werden und zu bleiben. Wenn wir sprachlich nicht einmal dafür Platz haben, wie sollen wir auf Missstände, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen?“

Insofern gendert sie selber und passt die Formen jeweils der aktuellen Sprachentwicklung an – seit Anfang des Jahres nutzt auch sie vorläufig den Doppelpunkt.

Wunderbar finde ich am Schluss ihres Beitrags den Hinweis auf den Filmausschnitt aus “Loretta – Das Leben des Brian“ (Youtube-Link) aus dem Jahr 1979. Diese kurze komische Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt, dass von 1979 bis heute noch immer viele Aspekte ungelöst bzw. unverändert sind – wer hätte das gedacht?! Sehenswert, wie ich finde.

Hier geht es zu ihrem Text: Gendern oder nicht gendern? Das ist hier die Frage


Ach ja – meinen eigenen Beitrag zum Thema finden Sie natürlich auch auf meinem Blog: 
Sprache prägt. Bildsprache auch. Brauchen wir (noch) mehr Gendergerechtigkeit?

 

Fazit: Gendern hat viele Gesichter – vor allem weibliche

Wow, was für eine großartige – und vor allem epische – Zusammenfassung ist denn das geworden (ich habe erstmals über 4.100 Wörter in einem Beitrag geschrieben)? Jeder einzelnen Teilnehmerin sowie dem einen Teilnehmer danke ich sehr herzlich für ihre/seine Meinung, ihr/sein Engagement, ihre/seine persönliche Sichtweise und ihren/seinen großartigen Beitrag zu meiner ersten Blogparade! Ich bin – jetzt nochmal mehr, da ich bei jedem Text prägnant auf den Punkt kommen und ganz intensiv lesen musste – ziemlich beeindruckt von den Herangehens- und Sichtweisen. Und dankbar, dass ich wieder einen Schritt weiter und so viel reicher an guten Tipps und Hinweisen bin – und auch die humoristischen Aspekte nicht zu kurz kamen. DANKE an alle!!! Ich hoffe Ihnen hat das Lesen bis hierhin ebenfalls viele neue und hilfreiche Erkenntnisse gebracht.

Und was hat mir meine erste Blogparade – außer einiges an Arbeit für diese Zusammenfassung – nun gebracht? Lohnt sich eine Blogparade aus meiner Sicht? Würde ich wieder eine anstoßen?

Ein ganz klares JA! Ich habe gesehen, dass auch viele andere Frauen ihre Schwierigkeiten mit der für sie richtigen Art zu Gendern haben – was ich hilfreich finde, da Sprache im Wandel ja immer ein dynamischer Prozess sein wird und ich und alle anderen eine unterschiedliche und auch sich ändernde Meinung dazu haben können und dürfen. Auch extreme Haltungen habe ich kennengelernt, die ich ebenfalls gut nachvollziehen kann.

Und schließlich: Auf meine Sichtbarkeit hat sich die Blogparade schon ausgewirkt – ich bekomme sehr positive Rückmeldungen, Kommentare und weiterführende Hinweise zum Thema Gendern – und ich werde als Personenmarke für „Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft“ wahrgenommen.

Wie stehen Sie zum Gendern? Auch nach dem Ende meiner spannenden und erkenntnisreichen Blogparade freue ich mich über weitere Hinweise, Kommentare und Ihre ganz persönliche Meinung!

Und falls Sie Unterstützung bei allem brauchen, was sich mit 26 Buchstaben beschreiben lässt – mit oder ohne Gendersternchen, Binnen-I oder Doppelpunkt – melden Sie sich gerne bei mir!

 

Nicole Isermann

Nicole Isermann steht für Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Seit über 20 Jahren arbeitet sie unter dem Kürzel NicPR als freie und fest angestellte Fachjournalistin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen, Vereine, Verbände, Agenturen oder Gründer:innen. Auf ihrem Blog PRojektText.com findet sich alles rund um professionelle PR und das zielgruppengerechte Texten: on- wie offline. Aber auch viel persönliches - viel Spaß beim Lesen!

3 Gedanken zu „13 plus 1: Starke Meinungen zum Gendern

  • 1. Juli 2021 um 14:38
    Permalink

    Tja, zu spät. Oder doch nicht? Mit dem Gendern ist das keine so einfache Sache. In vornehmer Zurückhaltung habe ich lieber gar nichts gesagt, bis ich das hier gelesen habe:
    https://claudia-r-scholz.de/genderwahn/

    Mal schauen, ob das mein neuer Rant wird.

    Herzliche Grüße, deine Blogger-Kollegin Claudia (Scholz) von the Content Society

    Antwort
    • 11. Juli 2021 um 19:03
      Permalink

      Liebe Claudia, oh wie schön – auch wenn die Blogparade vorbei ist freue ich mich sehr, denn das Thema werde ich immer wieder aufnehmen! Lieben Dank für deine Gedanken!
      Und lieben Gruß nach Berlin, Nicole

      Antwort
  • 12. April 2021 um 19:17
    Permalink

    Das ist eine aufschlussreiche Liste geworden, danke dafür!

    Antwort

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