Was ist ein Haiku? Anleitung zum kreativen Schreiben

Im Januar 2022 habe ich – nach ziemlich langer Zeit – tatsächlich mal wieder Haikus geschrieben. Und das kam so: Auf Instagram hatten @Tris_merri_gold und @einhorn.verleih zur Aktion „5 Bilder – 7 Tage – 5 Haikus“ aufgerufen. Zu den schönen Fotos von Irlandreisen sollten wir Haikus verfassen.

Da war ich gleich doppelt motiviert: Denn 1. denke ich gerne an mein tolles Auslandssemester in Belfast / Nordirland vor über 30 Jahren zurück. Und 2. sind die Haikus wirklich eine schöne Ergänzung zu meinen Elfchen.

Was ist ein Haiku?

Haikus sind Kurzgedichte aus Japan. Im Japanischen bestehen Haikus übrigens nicht aus Silben, sondern aus Lautfolgen – und diese sind nicht identisch mit unseren Silben. Das führt dazu, dass Haikus im Deutschen – in der Übersetzung – auch aus 10 bis 14 Silben bestehen können, wobei die mittlere Zeile die längste sein und die meisten Silben enthalten sollte. Die klassischen deutschen Haikus bestehen aber i. d. R. aus 3 Zeilen mit je 5 – 7 – 5 Silben. Sie müssen sich – wie Elfchen – nicht reimen und haben meist Naturbetrachtungen zum Inhalt. Eigentlich ganz einfach, oder?

Auf schreiben.net kannst du dich übrigens sehr detailliert in die Kunst der Haikus einlesen.

Haiku oder Elfchen – was ist der Unterschied?

Haikus werden auch die „Königsdisziplin“ der Lyrik genannt. Denn wenn man sich an die strengen japanischen Regeln hält, ist ein Haiku gar nicht so einfach zu schreiben. Es ist relativ mühsam, die einzelnen Silben pro Zeile zu zählen und dabei die richtigen Worte zu finden, die dein Empfinden dann auch für dich stimmig transportieren. Beim Elfchen dagegen muss du nur die Wörter in den Zeilen zählen – nämlich insgesamt genau 11. Das fällt meist viel leichter.

Deshalb mag ich „meine“ Elfchen so gerne und habe mich lange nicht mehr an Haikus herangewagt. Trotzdem beteiligte ich mich im Januar 2022 an der Instagram-Challenge. Und stellte zu meiner Überraschung fest, dass es gar nicht so schwer war wie ich dachte… Und dass es mir sogar Spaß macht, auf die Silbe genau zu texten …

Wie schreibst du ein Haiku?

Zu Anfang empfehle ich dir, mit der klassischen Variante 5 – 7 – 5 anzufangen. Am besten kommst du in den kreativen Schreibfluss, wenn du ein Bild, Motto oder Thema auswählst und dann versuchst, dazu ein 3-zeiliges Minigedicht zu schreiben. Überlege dir grob die Wörter dafür und schreibe sie auf.

Erst dann zählst du, ob die Silben auch stimmen. Wenn nicht, kannst du nun mit dem Überarbeiten beginnen und nach den besser passenden Begriffen suchen. Vielleicht fällt dir dabei auch noch ein ganz anderes Haiku ein, oder du stellst die schon bestehenden Wörter so um, dass die Silben passen? Mich packte jedenfalls der Ehrgeiz, es genau hinzukriegen, und so hab ich manchmal etwas länger tüfteln müssen.

Dennoch musst du dich nicht akribisch an diese Regel halten! Du kannst für den kreativen Schreibfluss auch ein „Haiku-inspiriertes“ Gedicht schreiben. Hauptsache ist, du bist durch diese Form motiviert und dir gefällt dein Haiku!

Eine Haiku-Übung: Was fällt dir zum Wort „Sturm“ ein?

Magst du es jetzt einfach mal probieren? Was fällt dir zum Beispiel zum Wort Sturm ein? Aus aktuellem Anlass bestimmt eine Menge, oder? Ich habe da sofort viele Assoziationen: Geräusche, Zerstörung, die verschiedenen Namen für Sturm und Wind, Redensarten, lahmlegen, fliegen, …

Meine 5 Gedichte zur Haiku-Challenge

Hier stelle ich dir meine 5 Haikus aus der Aktion #instaquerkopf575 auf Instagram vor – unter diesem Hashtag findest du alle wunderbaren Haikus, die damals entstanden sind.

Brausende Wasser:
Ungezähmte Gewalten
fließen durch Felsen

Schafe mit Ausblick.
Als stünde die Welt ganz still.
Moment der Absolutheit.

Fun fact: Ich liebe Schafe! Und Irland. Und Wolken. Und gälisch. Und die Menschen dort. Und Guinness. Und Malt Whiskey. Und das besonders grüne Gras auf der grünen Insel… Hach – viel zu lange war ich nicht mehr dort…

Nicole Isermann

Blick ins Flammenmeer
Märchenhaft: Erinnerung
an Hexen und Furcht.

Kopfüber ist neu.
Trau dich, anders zu schauen:
Zukunft wartet nicht.

Schweres Wolkengrau
hängt erdrückend über uns:
Wo ist die Freiheit?

Ich bin gespannt, ob du das Schreiben von Haikus auch so magst wie ich? Schreibe es mir doch gerne in den Kommentar unten oder markiere mich, falls du auf Facebook (Nicole Isermann) oder Instagram (@n.isermann) eines postest.


In meiner Nic-Post gibt es übrigens weitere gute Tipps rund um das Schreiben für dich:

Nicole Isermann

Nicole Isermann steht seit über 25 Jahren für Text, Content, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Unternehmerinnen mit echtem Herzens-Business und zu den Themen Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Beratung & Coaching, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. Ihre Sprachlust befriedigt die Fachjournalistin u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

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