„Kurz gestreift“ – Was ist ein Elfchen?

Wer schreibt, kennt das: Die Angst vor dem leeren Blatt Papier, vor dem leeren Textdokument auf dem Bildschirm… All die tollen Ideen, Themen und Formulierungen sind auf einmal wie weg gepustet, die Gedanken kreisen und einzelne Wörter wollen sich partout nicht mehr zu stringenten Sätzen formen lassen.

Genau da kommen die Elfchen ins Spiel. Sie sind in diesem Fall keine Fabelwesen aus dem Reich der Mythologie, haben aber dennoch viel mit Fantasie zu tun. Was also ist ein Elfchen und warum ist es beim Texten hilfreich?

Das Elfchen: 11 Wörter sollt ihr sein

Das Elfchen ist eine Gedichtform, die einem sehr klaren Aufbau folgt, gleichzeitig aber funktioniert, ohne dass Versmaß, Silben oder Reime beachtet werden müssen.

Ein Elfchen besteht aus ELF Wörtern und fünf Zeilen. Jetzt ist auch klar, warum das Elfchen „Elfchen“ heißt, oder?! Auch der Aufbau jedes Elfchens ist einfach: In der 1. Zeile steht nur ein Wort, in der 2. Zeile stehen zwei Wörter, in der 3. drei, in der 4. vier und in der 5. Zeile schließlich steht wieder nur ein Wort.

Eine festgelegte inhaltliche Struktur hilft dabei, die richtigen Wörter für jede einzelne Zeile (jeden Vers) des Elfchens zu finden:

  1. Zeile 1 besteht aus einem Substantiv – das kann ein Gegenstand, eine Stimmung, ein Geruch, ein Thema, ein Oberbegriff sein – eben alles, was den Artikel der, die oder das besitzt.

  2. Die 2. Zeile sollte zwei Wörter enthalten, die dieses Subjektiv näher beschreibenden: Was hat oder macht das Wort, wie ist es oder wie verhält es sich – es können hier sowohl Verben wie Adjektive genutzt werden.

  3. In der 3. Zeile wird mit drei Wörtern noch genauer beschrieben, wo sich das erste Wort aus Zeile eins befindet, womit es in Zusammenhang steht, wie es sich verhält.

  4. Zeile vier besteht aus vier Wörtern, die eigene Gedanken, Gefühle oder Überlegungen zum Thema bzw. ersten Wort beschreiben.

  5. Die 5. Zeile schließt das Gedicht mit einem Wort ab – es ist quasi ein Fazit, ein Ergebnis oder eine Zusammenfassung.

Klingt also wirklich nicht kompliziert, oder? Als ich mich hingesetzt habe, um mehrere Elfchen auszuprobieren, sind mir die Wörter tatsächlich leicht und spontan aus der Feder geflossen, es macht richtig Spaß, Elfchen zu schreiben! Das war in einem Seminar „Kreatives Schreiben“ vor vielen Jahren mit einem Haiku schon etwas komplizierter, weil man hier die Silben zählen muss – es dürfen höchstens 17 Silben in drei Zeilen sein.

Weil man Worten bekanntlich Taten folgen lassen soll, habe ich natürlich auch ein paar kleine Elfchen als Beispiele verfasst:

 

Wie ich bei der Recherche für diesen Artikel schnell gelernt habe, wird das Elfchen gerne in der Grundschule eingesetzt. Wie schade, dass meine Kinder (fast erwachsen) und ich das Elfchen nicht schon damals kennengelernt haben… Denn auch für Erwachsene haben Elfchen ein tolles Potenzial.

Wann ist ein Elfchen hilfreich?

Da das Elfchen nach so niederschwelligen Regeln entstehen kann, kommt wirklich jede:r schnell in den kreativen, spielerischen Schreibfluss. Mich hat diese Technik sofort überzeugt. Sie eignet sich wie ich finde besonders gut dazu, als Schreibanlass einen Einstieg in das kreative Schreiben – oder das Schreiben überhaupt – zu finden. Jede:r, der/die mit dem Schreiben beginnen möchte, sollte es einmal probieren!

Außerdem hilft das Elfchen sehr, die Gedanken bei einer Schreibblockade wieder in den Fluss zu bringen, wenn man gerade das berühmte Brett vor dem Kopf hat und nicht weiter weiß.

Auch zum Brainstorming oder für eine Mindmap ist das Elfchen als Technik bestens geeignet, denn durch den spielerischen Umgang mit Themen und Wörtern können sich neue Gedanken und Ideen entwickeln, die beim bloßen Nachdenken vielleicht gar nicht entstehen würden. Denn wie heißt es so schön:

„Die besten Ideen kommen einem beim Schreiben, nicht beim Nachdenken.“
Rolf Dobelli

Jetzt haben Sie hoffentlich große Lust bekommen, selbst ein paar Elfchen zu verfassen und so Ideen zu sammeln! Ich freue mich deshalb sehr, wenn Sie mir Ihre Elfchen hier in den Kommentaren oder auf meiner Instagram– oder Facebook-Seite hinterlassen.

1 – 2 – 3 – 4 – 1 – auf geht’s!

* P.S.: Vielleicht ist es aufgefallen, dass ich in diesem Blogartikel von Wörtern und Worten schreibe? Warum das so ist, erkläre ich in diesem „Kurz gestreift“-Artikel!

 

Nicole Isermann

Nicole Isermann ist seit über 25 Jahren freie und fest angestellte Fachjournalistin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie arbeitet für Unternehmen, Vereine, Verbände, Agenturen oder Gründer. Der Blog PRojektText.com bietet alles rund um professionelle PR für KMU und das zielgruppengerechte Texten: on- wie offline.

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