Vom Straßenbegleitgrün und der Graswurzel-Mentalität

Am heutigen TAG DES UNKRAUTS wird es Zeit, sich einmal mit ein paar typisch deutschen und sehr speziellen Begriffen auseinanderzusetzen.

Unsere deutsche Verwaltungssprache bringt doch immer wieder fantastische Wortungetüme hervor.

Heute habe ich erstmals vom sog. „Straßenbegleitgrün“ gehört. Wer denkt sich denn so etwas aus? Sitzen da vielleicht Menschen mit Scheuklappen in beigen Anzügen mit Bechern und Buchstabenplättchen in fensterlosen Zimmern und würfeln so oft, bis sie Wörter kreiert haben, die so lang und uncharmant wie nur irgend möglich sind?

Wie sonst sollte man auf solch ein Wort kommen? Straßenbegleitgrün – wie trocken! Obwohl es doch so ein schönes, kurzes Wort wie Unkraut dafür gibt?!

Um ehrlich zu sein, ist auch Unkraut nicht wirklich perfekt. Denn die Vorsilbe un- besagt ja meist nichts Gutes: Ungeheuer, unsinnig, unmöglich, unzuverlässig, unerfahren, unglaubwürdig etc. sind Wörter, die wir eher nicht so gerne hören oder lesen. Und das Unkraut sehen Liebhaber:innen des schönen, gepflegten Gartens nicht gerne in selbigem.

Aber mir gefällt es trotzdem so viel besser, denn klar und transparent steht es genau, wofür es ist: Ein Kraut, das zur UNzeit an einem für es UNpassenden Ort erscheint, sich dort UNbändig und UNgefragt verbreitet und deshalb von vielen für ein völlig UNnötiges Gewächs gehalten wird.

Auf der Seite www.kleiner-kalender.de gibt es übrigens diese Beschreibung zum Tag des Unkrauts:

Der Tag zu Ehren des Unkrauts findet am 28. März 2022 statt. Er wurde im Jahr 2003 durch Garten-Blogger eingeführt und findet seitdem jährlich statt. Unkraut sind Pflanzen der spontanen Begleitvegetation in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen, die dort nicht gezielt angebaut werden und aus dem Samenpotenzial des Bodens oder über Zuflug zur Entwicklung kommen.

Hier finden sich tatsächlich noch weitere schöne Wörter, die sich nur jemand ausdenken kann, der nichts mit den schönen, wohlklingenden Seiten unserer wunderbaren deutschen Sprache zu tun haben möchte:

  • Begleitvegetation
  • Kulturpflanzenbestände
  • Samenpotenzial
  • Zuflug

Da bauen sich beim Lesen so gar keine blühenden Landschaften mit bunten, süß duftenden Blümchen und summenden und brummenden Insekten, Bienen oder Schmetterlingen vor dem inneren Auge auf…

So unscheinbar und doch kraftvoll – unser Straßenbegleitgrün… Foto: CC Express

Und was hat das alles nun eigentlich mit der Graswurzel-Mentalität zu tun? Kennst du den Spruch: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht?

Genau, „gut Ding will Weile haben“. Aber wenn viele im Kleinen aktiv werden und nicht aufhören, nach Sinnstiftendem zu suchen, gibt es Hoffnung:

Dass wir Krisen und Kriege gemeinsam überwinden – und dass auch unsere Sprache hoffentlich weiter bunt, duftend und „unkrautig“ bleiben wird…

Hilfst du mit? Und verrätst du mir, welche Verwaltungsbegriffe der deutschen Sprache du kennst?

Nicole Isermann

Nicole Isermann steht seit über 25 Jahren für Text, Content, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Unternehmerinnen mit echtem Herzens-Business und zu den Themen Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Beratung & Coaching, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. Ihre Sprachlust befriedigt die Fachjournalistin u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

4 Gedanken zu „Vom Straßenbegleitgrün und der Graswurzel-Mentalität

  • 29. März 2022 um 13:22
    Permalink

    Ein schöner Artikel, danke Nicole. Ich liebe Unkraut. Früher mal hatte ich sogar die Idee eine Unkrautgärtnerei zu gründen. Löwenzahn im Blumentopf … Löwenstark 🤗

    Antwort
    • 30. März 2022 um 17:34
      Permalink

      Das ist doch eine wunderbare Idee – wenn du das doch mal machst, gib mir Bescheid! Ich habe mal eine Kräuerwanderung mitgemacht und war total überrascht, was man alles essen und trinken kann, von dem man denkt, es sei Unkraut…
      Liebe Grüße von Nicole

      Antwort
  • 29. März 2022 um 4:33
    Permalink

    Wir sagen gjät für Unkraut. Als Kind dachte ich immer, dass „jäten“ mit „jagen“ verwandt sei 🙂

    Antwort
    • 30. März 2022 um 17:36
      Permalink

      Gjät habe ich noch nie gehört… aber es passt zu jäten. Gute Frage übrigens: Warum heißt es eigentlich Unkraut jäten? Muss ich mal nachsehen.
      Und Unkraut jagen – so mit Schießgewehr und allem – bildet sich gerade lebhaft vor meinem inneren Auge … 🙂
      Liebe Grüße von Nicole

      Antwort

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