Fokus Kommunikation: 8 Fragen an Kommunikationstrainerin Heike Brandl zum Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept

Präsenz – Klarheit – Wertschätzung. Das sind die drei Säulen, auf denen das LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept beruht. Dieses Konzept baut Heike Brandl grundlegend in ihre Arbeit ein. Virtuell kennengelernt habe ich Heike Anfang 2021 in unserer gemeinsamen Blogging-Community The Content Society. Seither verfolgen wir wertschätzend unsere Arbeit und tauschen uns immer mal wieder über unsere Ansätze in der Kommunikationsarbeit aus.

Ich inspiriere sprachbewusste Wertschätzer:innen und solche, die es werden wollen. 

Heike Brandl

Mit klarer Sprache mehr erreichen – so lautet Heikes Motto – und dafür setzt sie sich empathisch, gelassen und zuversichtlich ein. Sie ist überzeugt davon, dass Präsenz, Klarheit und Wertschätzung das Fundament für gelingende Kommunikation und damit gute Beziehungen sind. Ihre Vision ist es, dass Menschen überall in Familien und im Beruf klar und wertschätzend miteinander kommunizieren. Dem kann ich zu 100 Prozent folgen – und so habe ich ihr acht Fragen zu Lingva Eterna und ihrer Arbeit gestellt:

1. Heike, was genau fasziniert dich so am Konzept LINGVA ETERNA?

2013 entdeckte ich das Buch „In der Sprache liegt die Kraft“ von Mechthild von Scheurl-Defersdorf. Das hat mich sofort gepackt. Als Heilpädagogin war Sprache und Kommunikation schon immer ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit. Ich berate Eltern und Erzieher:innen zur Entwicklungsförderung und zum Umgang mit Kindern. Hier ist es wichtig, keine Ratschläge zu geben, sondern wertschätzend Reflexion anzuregen, Wissen zu vermitteln, Optionen aufzuzeigen.

Und ich arbeite auch mit den Kindern direkt, Kindern mit Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten, Behinderungen. Dabei kommt es natürlich darauf an, die Kinder sprachlich da abzuholen, wo sie stehen, mich klar und verständlich auszudrücken.

Präsenz, Klarheit, Wertschätzung – das waren also ohnehin schon meine Fundamente. Das Buch vermittelte mir nun, dass die individuelle Ausdrucksweise einerseits mit der Lebensgeschichte eines Menschen zusammenhängt. Gleichzeitig zeigt es auf, dass ich – und jede:r andere Mensch auch – meine Ausdrucksweise aktiv weiter entwickeln kann.

Titelansicht des Buches „In der Sprache liegt die Kraft“.

2. Für welche Zielgruppen eignet sich dieses Konzept deiner Meinung nach am besten?

Wir alle sprechen und kommunizieren jeden Tag, in der Familie, im Beruf, in der Freizeit. Jeder Mensch kann davon profitieren. Es eignet sich jedoch nicht für Menschen, deren Absicht es ist, andere zu manipulieren.

3. Kannst du eine konkrete Kommunikationssituation schildern, in der du mit dem LINGVA ETERNA Modell besonders erfolgreich warst?

An dieser Stelle will ich dich auf etwas aufmerksam machen. Das Lingva Eterna Kommunikationsmodell ist ein Teil des gesamten Konzepts. Beim Modell geht es um fünf Schritte, mit denen der Ablauf eines Gesprächs strukturiert geführt wird. Diese fünf Schritte sind:

  1. die Intention,
  2. die Ansprache,
  3. der Rahmen,
  4. der Diskurs und
  5. der Abschluss des Gesprächs.

Vor kurzem hielt ich eine zweitägige Online-Fortbildung für Erzieher:innen zu einem heilpädagogischen Thema. Da bei vielen die Leitung instabil war, sah ich meist nur Namen und keine Bilder. Mir ist jedoch die Interaktion sehr wichtig.  Im Grunde wandte ich das Modell also dabei permanent an:

Für jeden Arbeitsschritt überlegte ich mir:  Was ist meine Intention? Was will ich vermitteln? Ich stellte häufig ganz konkrete Fragen und sprach dabei einzelne Teilnehmer:innen immer wieder mit ihrem Namen an. Ich kündigte Arbeitsaufträge detailliert an – das ist die Rahmeninformation. Wir waren viel im Diskurs, im Austausch – den galt es für mich als Trainerin auch zu führen. Wichtig war es auch, jeden Arbeitsschritt wieder abzuschließen, Rückmeldungen einzuholen, ein Fazit zu formulieren. Das ist der Abschluss.

Für mich war es insofern besonders erfolgreich, als dass ich einerseits sehr positive Rückmeldungen der Teilnehmer:innen bekam, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Interaktion. Und zum anderen merkte ich, dass es für mich auch wesentlich leichter war als zu Zeiten, wo ich noch weniger klar formulierte. Das Führen gelingt leicht.

4. Wie genau bringst du deinen Kund:innen das Sprach- und Kommunikationskonzept näher?

Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Schnuppern eignet sich ein Vortrag, zum Beispiel an Volkshochschule, Bildungshäusern, Elternabenden. Ich biete auch Workshops an, die einen vertieften Einblick ermöglichen. In 3,5 Stunden können wir schon einiges ausprobieren und die Teilnehmer:innen erleben die Wirkung unterschiedlicher Ausdrucksweise. Eine grundlegende Einführung ist im Rahmen von Tagesfortbildungen möglich. Das biete ich vorrangig für pädagogische Fach- und Führungskräfte an.

Ich lasse die Teilnehmer:innen erleben, wie unterschiedliche Formulierungen im Wortschatz, Satzbau und Grammatik auf andere wirken. Wir erproben in Gruppen bis maximal 15 Personen neue Kommunikationsmuster und -strukturen. Die Themen-Schwerpunkte reichen dabei von der Kommunikation im Team, Sprache als Schlüssel in der Pädagogik bis zur klaren Kommunikation als Führungskraft, z. B. in Besprechungen. Hier siehst du ein paar konkrete Beispiele:

5. Wodurch grenzt sich das LINGVA ETERNA Modell von anderen Kommunikationsmodellen ab?

Das Lingva Eterna Kommunikationsmodell orientiert sich rein an der Struktur des Gesprächs, am Prozess. Es analysiert nicht psychologisch was da z.B. unter der Oberfläche verborgen sein könnte oder was ein:e Gesprächspartner:in vielleicht meinen könnte. Es analysiert hingegen: Bin ich alle Schritte in der richtigen Reihenfolge gegangen? Falls nicht kommt es häufig zu Missverständnissen oder Ärger.

6. Wie kann ich als PR-Frau und Texterin dieses Konzept für meine Arbeit nutzen?

Jetzt bist du wieder beim Gesamt-Konzept. Es eignet sich wunderbar für das Schreiben von Texten. Ob eine E-Mail oder ein Blog-Artikel – ich nutze es ständig.

Zunächst achte ich auf die fünf Schritte des Modells: Was ist meine Intention? Wie spreche ich z.B. die Kundin an? Welche Rahmeninformation braucht sie? Dann kommt die eigentliche Botschaft. Und ich formuliere einen runden Abschluss, z.B. in der Mail einen Dank oder Gruß, im Artikel ein Fazit.

Im Blick auf das Gesamt-Konzept will ich dir noch ein paar Aspekte nennen, die ich beachte. Für mehr Präsenz achte ich zum Beispiel auf Aktiv-Sätze und vermeide „man“. Für mehr Klarheit achte ich darauf, keine Füllwörter zu benutzen und Schachtelsätze zu entzerren. Und Wertschätzung ist das, was ich mit meiner Haltung in einem Text vermittle. Natürlich gibt es noch etliche weitere Aspekte.

7. Mit welchem prominenten Menschen würdest du dich am liebsten einmal auf „LINGVA ETERNisch“ austauschen und warum?

Ich fürchte, es gibt wenig prominente Menschen, die so sprechen. Robert Habeck ist vielleicht einer. Mit ihm würde ich gerne darüber sprechen, warum er noch nicht klar äußert, dass die Energieversorgung in der jetzigen Situation gefährdet ist. Ich meine, die Menschen brauchen hier noch mehr Wahrhaftigkeit.

8. Und welche Persönlichkeit sollte unbedingt besonders klar und wertschätzend kommunizieren?

Für die Antwort auf diese Frage habe ich wohl am längsten überlegt. Mir kamen natürlich Politiker:innen in den Sinn, wo die gegenseitige Wertschätzung zur Zeit völlig auf der Strecke bleibt. Mir kamen auch Leitungspersonen aus der katholischen Kirche in den Sinn, für die Klarheit und Wertschätzung im Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs offenbar Fremdwörter sind. Würdenträger will ich sie nicht nennen – ich frage mich, ob sie noch wissen, was Würde, Menschenwürde heißt.

Ich bin der Meinung, Leitungspersonen in allen Bereichen und Branchen sollten klar und wertschätzend kommunizieren. Nur dann können dies auch ihre Mitarbeiter:innen, und dann wird der Umgang mit Kund:innen oder Schüler:innen, mit Patient:innen oder Angehörigen wertschätzend und krisensicher. Letztlich wirkt sich das positiv auf das Betriebsklima und den Erfolg einer Firma oder Institution aus.

Die Startseite von Heike Brandls neuem Webauftritt. Screenshot: Heike Brandl

Heike, das sind spannende Einblicke in deine Arbeit mit dem LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept – herzlichen Dank dafür!

Wenn du jetzt mehr über Heike, ihre Arbeit und das Konzept erfahren möchtest, empfehle ich dir die neue Website von Heike Brandl – auf ihrem Blog hat sie u. a. einen ausführlichen Beitrag über das Lingva Eterna Modell veröffentlicht.

Dieses Video empfehle ich dir ebenfalls, hier erläutert die Erfinderin des Kommunikationsmodells Lingva Eterna in einer „Wortprobe“, wie leicht und heilsam du Sprache bewusst nutzen kannst und so für dich und andere wirksam werden lässt. Sehr spannend!

Das war das 2. Interview meiner Reihe „Fokus Kommunikation: 8 Fragen an…“ Im Auftakt-Interview im November 2021 befragte ich Dr. Martin Beck zum Process Communication Model®.

Kennst du eines der Konzepte bereits? Und arbeitest du ebenfalls im Bereich Kommunikation und möchtest mir auch spannende 8 Fragen zu deiner Arbeit beantworten? Dann nutze gerne das nachfolgende Kontaktformular!

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    Nicole Isermann

    Nicole Isermann steht für Text, Redaktion, Content und PR mit Herz und Haltung! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Soloselbstständige mit echtem Herzens-Business. Ihre Lieblingsthemen sind Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. In den kreativen Schreibfluss findet Nicole u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Wenn sie nicht schreibt, engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

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