Fokus Kommunikation: 8 Fragen an Dr. Martin Beck zum Process Communication Model®

„Ich habe Kommunikation gesucht und Selbstmanagement bekommen. Mein Persönlichkeitsprofil öffnet mir die Augen für meine Bedürfnisse und ich habe Selbstfürsorge gelernt.“

Im heutigen Auftakt-Interview geht es um das Process Communication Model® (PCM). Dr. Martin Beck ist Arzt und Experte für Dialog und Selbstmanagement und betreibt eine Kinderarztpraxis in Meckenheim bei Bonn. Seine Mission ist es, sich für gelungene Kommunikation einzusetzen – privat, im Team und bei Kund:innen und Patient:innen. Er und seine Frau Charlotte Zierau arbeiten aus Überzeugung mit dem PCM. Kennengelernt habe ich Martin Ende letzten Jahres über Facebook und ein persönliches Zoom-Gespräch. Seitdem finde ich das PCM wirklich spannend, denn es scheint mir eine sehr gute, einfach zu erlernende und im Alltag umzusetzende Kommunikationsmethode zu sein, die viele Konflikte vermeiden kann.

Tatsächlich hat er mich mit seiner Begeisterung schon ein bisschen angesteckt und ich kann mir gut vorstellen, bei Martin und Charlotte ein Persönlichkeitsprofil erstellen zu lassen, sobald unsere Kalender und Termine zueinander passen. Vielleicht verrät Martin mir ja in diesem Interview, welcher der sechs Persönlichkeitstypen ich vermutlich am ehesten bin – ein bisschen tippe ich ja nach dem, was ich schon weiß, auf den „Basis-Beharrer“… Grund genug also für mich, Martin heute konkrete Fragen zum PCM zu stellen:

1. Hallo Martin! Vielen Dank, dass du das Process Communication Model® (PCM) heute näher erklärst. Wie bist du auf das PCM aufmerksam geworden?

Mit der Idee, etwas Zusätzliches und Gewinnbringendes neben der Praxisarbeit zu machen, habe ich nach „Kommunikation“ gegoogelt. Das Thema fand ich immer schon spannend und es nimmt bei uns daheim viel Raum ein – seit 15 Jahren geben Charlotte und ich ehrenamtlich Kurse für Ehepaare und Verlobte.

Interessant am Process Communication Model® war für mich das solide und detaillierte Persönlichkeitsprofil, das zu dem angebotenen Einführungskurs gehörte. Die Kombination aus Kommunikations- und Persönlichkeitsmodell ist tatsächlich einzigartig. Der Kurs hat mich direkt gepackt! Daheim habe ich nach und nach auch meine Frau mit meiner Begeisterung angesteckt.

Charlotte Zierau und Martin Beck sind zusammen die BecKommunikation und vermitteln das PCM u. a. in ihren Seminaren in Meckenheim bei Bonn. Foto: BecKommunikation

2. Was ist das PCM – bitte erkläre es in 5 Sätzen.

Das Process Communication Model®, entwickelt vom klinischen Psychologen Dr. Taibi Kahler aus Arkansas, kommt aus der Beobachtung menschlicher Kommunikation und ist zusätzlich ein Persönlichkeitsmodell. Es ist ein Werkzeugkasten für gelingende Kommunikation mit praxisbezogenen Techniken für z. B. Selbstmanagement, Motivation, Führung, Teamarbeit, Kundenorientierung, Konfliktmanagement, Veränderungsbegleitung oder Coaching.

Prozesskommunikation bedeutet: Ich schaue weniger auf den Inhalt des Gesagten als auf den Prozess eines Gesprächs – und ich gestalte diesen. Ich höre, WIE mein Gegenüber etwas sagt, und kann daraus schließen, wie ich etwas sagen muss, um mein Gegenüber zu erreichen – „Kommunikation findet dann statt, wenn Angebot und Annahme im gleichen Kanal erfolgen“. Dabei achte ich darauf, meine eigenen inneren Batterien gut aufzuladen und bleibe mit mir selbst und mit anderen immer in der Okay-okay-Haltung: Ich bin okay, du bist okay.

3. Seit wann arbeitest du mit dieser Methode und wie verlief die Ausbildung?

2018 habe ich die Ausbildung zum zertifizierten PCM-Trainer gemacht. Ich fuhr mehrere Male nach Wien, wo es zwei Mastertrainer gibt. Bei ihnen habe ich ein Advanced-Seminar gemacht, eine schriftliche Prüfung und drei praktische Prüfungsmodule. „Live on stage“ – ich musste auf jeden Fall raus aus meiner Komfortzone. Vormachen, vorspielen, vorturnen. Aber die Gruppe in Wien war so toll und die Atmosphäre so wertschätzend, dass es mir nicht schwer fiel – obwohl ich Rollenspiele immer gehasst habe. Dieses Jahr habe ich zusätzlich die Ausbildung zum PCM-Coach gemacht. Meine Frau Charlotte macht ihre Trainerzertifizierung dieses Jahr – das „next level“ für unsere Firma, die BecKommunikation.

4. Was ist für dich das Besondere am PCM und warum arbeitest du so gerne damit – und nicht mit anderen Kommunikationsmodellen?

Ich habe mich auch in andere Kommunikationsmodelle eingearbeitet und muss sagen: Gegen PCM ist alles andere schwergängig und lahm. PCM ist extrem griffig und rasch anwendbar und dabei zugleich sehr tief und vielschichtig. Mich hat die Beschäftigung damit unglaublich weitergebracht: Ich habe Kommunikation gesucht und Selbstmanagement bekommen. Mein Persönlichkeitsprofil öffnet mir die Augen für meine Bedürfnisse und ich habe Selbstfürsorge gelernt. Nicht zuletzt ist es die Möglichkeit, zum gegenseitigen Verständnis beizutragen, die ich schätze. Ich mache gerne die Welt durch mein Wissen und Können ein wenig besser – besonders gerne mit meiner Frau im Team. Es macht riesigen Spaß, PCM zu vermitteln und zu erlernen.

In diesem Modell stellen wir uns den Menschen als Haus vor, mit Erdgeschoss, mehreren Etagen – und auch mit einem Keller (der Keller des Distress!).
Sechs Typen „wohnen“ in jedem von uns. Sie heißen Empathiker, Logiker, Beharrer, Rebell, Träumer und Macher. Ich nenne das auch gerne die „innere WG“ – hier meine:

Das ist die „innere WG“ von Martin Beck nach dem PCM. Grafik: BecKommunikation

Im Erdgeschoss, in meiner Basis, wohnt der Typ, der für mich am „typischsten“ ist. Hier fühle ich mich wohl. Mit einem Menschen, der ähnlich „gebaut“ ist wie ich, kann ich den ganzen Tag reden, ohne dass es mich anstrengt.

Ist ein Mensch ganz anders gebaut, muss ich innerhalb meiner Persönlichkeitsarchitektur Aufzug fahren, um mit diesem Menschen in Kontakt zu kommen und gut zu kommunizieren. Ich muss seine Sprache sprechen.

Die Energie, die ich dazu brauche, erhalte ich durch die Befriedigung meiner wichtigsten psychischen Bedürfnisse. Bin ich gut aufgeladen, kann ich andere gut erreichen. Bin ich nicht bei guter Energie, verlasse ich den positiven Teil meiner Persönlichkeitsarchitektur und gelange in den Distress-Keller.

Wenn ich merke, dass mein Mitmensch nah am Distress ist, sozusagen in seiner Kellertür steht, kann ich ihn mit passender Bedürfnisbefriedigung dazu einladen, aus dem Distress wieder herauszutreten.

5. Das klingt wirklich sehr konkret und fassbar – die „innere WG“ ist ein sehr gutes Bild! Was für ein Typ wäre ich denn deiner Meinung nach vermutlich – liege ich mit dem „Basis-Beharrer“ da richtig? Und wer kann deiner Meinung nach am meisten vom PCM profitieren und warum? 

Ich sehe bei dir den Beharrer und auch den Empathiker – es könnte auch sein, dass du Basis-Empathikerin bist in der Beharrer-Phase. Wir wissen es, wenn du den Fragebogen ausfüllst – das dauert 1-2 Stunden, die sich absolut lohnen! Und ich erläutere dir das Ergebnis – natürlich möchten wir dich danach auch im Seminar haben – das nächste findet Anfang März 2022 statt. Das Gute am PCM ist: Wirklich jede:r – auch du, gerade in deinem Job als „Frau der Worte“ – kann vom PCM profitieren:

  • In unserer Facebook-Gruppe „Entspannte Eltern trotz der Krise“ z.B. legen wir – gerade jetzt in diesen herausfordernden Pandemie-Zeiten – einen Schwerpunkt auf Familien und Kommunikation mit Kindern.
  • Wir bieten offene Seminare für alle an, wir schulen kleine und große Teams mit Kontakt zu Kund:innen oder Patient:innen z. B. in Praxen oder Unternehmen und gehen auf die jeweiligen Herausforderungen ein.
  • Ein Traum von uns ist die Arbeit mit Lehrer:innen. Da haben wir nächstes Jahr einen ersten großen Job an einer Montessorischule und werden den Lehrkräften vermitteln, dass sie mit nur vier Kommunikationskanälen – direktiv, fragend, fürsorglich, spielerisch – alle Kinder ihrer Klasse erreichen. Auch die „schwierigen“ Schüler:innen.

6. Du bist ja Arzt für Kinder- und Jugendmedizin in eigener Praxis: Mit welcher deiner Zielgruppen arbeitest du am liebsten, wo siehst du am schnellsten Erfolg in der Kommunikation?

In der Praxis erlebe ich unmittelbar, dass Kinder besser mitmachen, wenn ich sie auf dem passenden Kommunikationskanal anspreche. Das Staunen der Eltern tut gut. Ebenso, wenn wir als Trainerteam im Seminar z.B. die berufliche Situation einer Teilnehmerin im Rollenspiel aufgreifen – und diese dann fragt: „Woher kennt ihr meinen Kollegen?“ – wenn es uns also gelingt, den Nagel auf den Kopf zu treffen. Im Alltag überall da, wo ich Menschen erfolgreich einlade, aus dem Distress zu kommen. Wo eine Situation sich entspannt, die sonst eskaliert wäre. Wo die Zauberworte zünden, die ich dank PCM kenne.

7. Was war das schönste Kund:innen- oder Patient:innen-Lob, das du bisher bekommen hast?

Eine Rückmeldung zum letzten Seminar: „Danke an Charlotte und Martin, Ihr seid wunderbare Gastgeber, habt mich mit neuem Wissen vollgetankt, seid auf mich und meine Fragen eingegangen und bewiesen, dass Ihr das PCM lebt. Was ich absolut toll finde: hier werden Beispiele nicht nur gekonnt vorgetragen, sondern durch die gelungene Kombination von zwei Trainern erlebbar gezeigt. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil, yeah!“

Nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Paar – und mit dem Process Communication Model® noch dazu ein sehr erfolgreiches. Foto: Gabi Mladenovic/BecKommunikation

8. Eine Frage zum Abschluss: Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?

Mit Barack Obama würde ich gerne mal einen Kaffee trinken gehen. Und ihm – dream big – sein Persönlichkeitsprofil erläutern… ;-). Er ist eine vielschichtige Persönlichkeit: Obama hat sicher einen starken Logiker, wie alle Politiker hat er auch einen großen Beharrer- und Macher-Anteil in seinem Persönlichkeitshaus. Doch ich sehe auch Empathiker, Rebell und Träumer in ihm. Da würde es mich sehr interessieren, wie sich Obamas innere WG aufbaut. Auf jeden Fall kann er darin gut „Aufzug fahren“, denn er erreicht ganz viele Menschen. Die Kunst des fähigen Politikers.

Hillary und Bill Clinton waren übrigens Freunde von Taibi Kahler und gut geschult im PCM. In den 80er Jahren arbeitete der ganze Stab des Weißen Hauses nach Kahlers Process Communication Model®!

Dr. Martin Beck

Ah, spannend – ja mit Barack und Michelle Obama würde ich mich auch gerne einmal treffen wollen! Martin, herzlichen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke in deine Arbeit mit dem Process Communication Model®.

Wenn Sie sich jetzt näher mit der Methode beschäftigen möchten, können Sie sich hier weiter informieren:

  • Sie haben Kinder? Dann können Sie Mitglied werden in Charlottes und Martins Facebook-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/entspannte.eltern
  • Charlotte und Martin führen Seminare in Meckenheim bei Bonn durch. Per Zoom oder als Treffen (je nach Entfernung/Corona-Lage) bieten sie Persönlichkeitsprofile und Debriefings an. Coaching bei Martin ist auch per Zoom möglich.
  • Der selbst gedrehte Kurzfilm “Die Nachbarin“ ist auf Facebook abrufbar.
  • E-Mail: beck@beckommunikation.de
  • Website: www.beckommunikation.de
  • mobil: +49 179 – 7869103

Dieses Interview ist das erste in der neuen Reihe „Fokus Kommunikation“ – in loser Folge werde ich hier regelmäßig Interviews rund um Kommunikation, Text & PR veröffentlichen. Jetzt bin ich neugierig: Kannten Sie das PCM vorher schon? Was haben Sie noch nicht gewusst? Und möchten Sie gerne mein:e nächste:r Interviewpartner:in sein? Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar oder eine Mail an nicpr [at] t-online.de – ich freue mich auf Ihre Rückmeldung!

Nicole Isermann

Nicole Isermann steht seit über 25 Jahren für Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Unternehmerinnen mit echtem Herzens-Business und zu den Themen Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. Ihre Sprachlust befriedigt die Fachjournalistin u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

2 Gedanken zu „Fokus Kommunikation: 8 Fragen an Dr. Martin Beck zum Process Communication Model®

  • 2. Dezember 2021 um 6:52
    Permalink

    Faszinierend, ich freue mich, noch ein weiteres Kommunikationsmodell kennenzulernen. Für mich ist es sicher lohnend, dass ich mir die verschiedenen Kommunikationskanäle anschaue.

    Antwort
    • 2. Dezember 2021 um 17:54
      Permalink

      Liebe Heike,
      ja das glaube ich auch – und ich freue mich schon, dass du mir im Januar ein Interview geben wirst – da können wir ja u. a. über Gemeinsamkeiten und Unterschiede sprechen!
      Herzliche Grüße von
      Nicole

      Antwort

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