Diese 3 Sprachbilder machen deine Texte lebendig

Mein Beitrag zu Tag #04 der Blogdekade hat aus aktuellem Anlass mit Bildsprache und Sprachbildern zu tun.

Kürzlich habe ich wieder einmal einen spannenden Kurs mitgemacht. Kerstin Sönnichsen ist leidenschaftliche „Visual Storytellerin“ und hat uns Teilnehmer:innen sehr „bildhaft“ vermittelt, wie wir unsere Texte und Geschichten mit einer aufmerksamkeitsstarken Bildsprache in den sozialen Medien „sichtbar“ machen. Denn die Aufmerksamkeitsspanne, die du für dein Bild bekommst, bevor jemand einfach weiterscrollt, ist gerade mal 1,5 Sekunden lang. Kam mehr als zwei Wimpernschläge also, bevor dein Beitrag im Nirwana der Facebook- oder Instagram-Feeds für immer verschwindet und deine ganze Mühe umsonst war… Einem Goldfisch werden übrigens durchschnittlich 9 Sekunden zugesprochen – nur mal so zum Vergleich…

Also brauchst du starke und individuelle Bilder, um zu fesseln und das #AbenteuerSichtbarkeit wahr werden zu lassen. Falls du dich in das Thema einlesen möchtest, empfehle ich dir den Blogbeitrag zur Bildsprache von Kerstin dazu.

Doch wie geht es dann weiter? Du hast tatsächlich jemanden in deinen Text gezogen – dann muss dieser jetzt natürlich halten, was das Bild verspricht!

Und so, wie es verschiedene Methoden in der Bildsprache gibt, gibt es für deine Texte Sprachbilder, die du einsetzen kannst, um genau das zu erreichen! Bildsprache – Sprachbilder… klingt kompliziert? Ist es aber gar nicht. Ich erkläre es dir:

Was ist ein Sprachbild?

Ein sprachliches Bild ist ein sog. rhetorisches Stilmittel. Du nutzt es, um ein „Bild“ im Kopf des Lesers oder Zuhörers zu erschaffen. Ohne Leinwand und Projektor möchtest du damit erreichen, dass deine Leser:innen das „Kino im Kopf“ haben, dass sie fühlen und vor ihrem inneren Auge sehen, was du schreibst oder erzahlst.

Diese 3 Sprachbilder solltest du kennen

Hauptsächlich findest du in Texten diese bildlichen Stilmittel:

  • Metapher
  • Vergleich
  • Personifikation

Sprachliche Bilder sollen etwas bildhaft oder emotional veranschaulichen. Deshalb dürfen sie nicht wortwörtlich verstanden werden. Aus dem Deutschunterricht in der Schule kennst du das sicher noch, oder? Analysieren und interpretieren gehörte da schließlich zu fast jeder Klassenarbeit…

Die Metapher

Die Metapher findet einen bildlichen Ausdruck für einen Begriff. Meist wird ein Wort außerhalb seines gewohnten Zusammenhangs genutzt und auf einen anderen Bereich übertragen, wie z. B. in
»Lebensuhr«, »Wipfelmeer«, »Kriegsmüdigkeit«, »Mauer des Schweigens« oder »etwas durch die rosarote Brille sehen«.

Der Vergleich

Ein Vergleich erhöht die Anschaulichkeit einer Sache oder Vorstellung. Neben ein Bild wird ein zweites Bild gestellt – und beide haben eine gewisse Gemeinsamkeit. Typisch für den Vergleich ist die Verknüpfung mit »wie« oder »als«:
»stark wie ein Löwe«, »ein Mann wie ein Baum«, »flink wie ein junges Reh«, »finster wie die Nacht« oder »er rannte, als sei der Teufel hinter ihm her«.

Die Personifikation

Bei der Personifikation werden Begriffe, Dinge oder Tiere oft als menschliche Wesen dargestellt. Beispiele dafür sind „die Natur schläft“, „die Sonne lacht“ oder „der blinde Zufall“. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Lateinischen persona (Maske, Charakter, Rolle). Das Stilmittel setzt also leblosen Dingen gewissermaßen eine menschliche Maske auf.

Ganz schön haarig, oder?!

Alles klar? Damit du jetzt noch besser verstehst, wie du sprachliche Bilder einsetzen kannst, gebe ich dir jetzt ein konkretes Beispiel an die Hand:

Im eingangs erwähnten Kurs hatten wir die Aufgabe, einen Post zu erstellen, der unsere Expertise mit etwas persönlichem verbindet. Außerdem sollten Text und Bild perfekt zusammenpassen und gemeinsam einen starken „Hook“ – also einen Aufhänger – bieten.

Gar nicht so einfach umzusetzen. Als Spezialistin für Text, Content und Storytelling fallen mir fast immer gute Aufhänger ein. Aber diesmal musste ich ja das Bild mitdenken, daher habe ich mich erstmal auf die Suche nach einem Bild gemacht. Auf meinem Handy hatte ich bald ein starkes Foto gefunden, das ich letzten Herbst quasi im Vorbeigehen geschossen hatte – diesen wunderschön „verstrubbelten“ Clematis-Blütenstand:

Und schon war er da, der Aufhänger – in Form einer Metapher.

Ich habe mich also in meine potenzielle Kundin hineinversetzt und mich gefragt, wie ich ihr helfen kann. Denn selbst Texte zu schreiben fällt vielen schwer – es ist oft ganz schön „haarig“, die richtigen Worte zu finden und haargenau auf den Punkt zu kommen. So habe ich also meinen Post formuliert:

Erkennst du dich wieder? Siehst du dich am PC sitzend die Haare raufen? Findest du den Text ansprechend und überzeugend? Traust du mir zu, dass ich dir in dieser haarigen Situation weiterhelfen kann? Falls ja, habe ich mit dieser haarigen Metapher, die für das schwere, nervige steht, genau die richtigen Worte gefunden.

So geht bildhaftes Schreiben, mit dem du Menschen berührst. Was tatsächlich noch viel wichtiger ist, als sie mit nüchternen, nichtssagenden Fakten zu überzeugen.

Bildhafte Sprache im Roman „Holding“ von Graham Norton

Übrigens findest du in der Literatur sehr oft wunderbar noch viele weitere bildhafte Formulierungen, die ebenso einfach wie wirksam sind und ein echtes Wow-Gefühl beim Lesen hervorrufen. In meiner vorletzten Nic-Post habe ich einige schöne Zitate aufgeführt.

Der Debütroman von Graham Norton war für mich eine echte Zufallsentdeckung. Der Schauspieler, Comedian und Talkmaster ist eine der bekanntesten Fernsehpersönlichkeiten der englischsprachigen Welt, geboren in einem Vorort von Dublin und aufgewachsen im Süden Irlands. Ich kannte ihn vorher trotzdem nicht…

Das Cover der englischen Ausgabe.

Sein Roman „Ein irischer Dorfpolizist“ (wenn du hier klickst, kannst du eine deutsche Hörprobe auf der Seite von Amazon anhören) überraschte die Kritiker:innen durch seine Wärme und erzählerische Qualität, das Buch avancierte in Irland und Großbritannien zum Bestseller.

„Möglicherweise war es Verschwendung, dass der Mann die ganzen Jahre im Fernsehen war.“

Das schrieb Bestsellerautor John Boyne in der „Irish Times“ über ihn – und ich schließe mich an.

Die Geschichte – ich habe die englische Version „Holding“ gelesen – berührte mich nicht nur, weil ich während meines Grundstudiums für 6 Monate in Belfast in Nordirland lebte und die Iren und ihre grüne Insel lieben lernte, sondern auch, weil die Menschen von Norton so gefühlvoll und liebenswert mit all ihren Bedürfnissen, Macken und Unvollkommenheiten und gleichzeitig herrlich schwarzhumorig beschrieben werden. Gleich der 1. Satz hat mich abgeholt:

It was widely accepted by the residents of Dundeen that, should a crime be comitted and Sergeant Collins managed to apprehend the culprit, it would be very unlikely that the arrest had involved a pursuit on foot.

[Übersetzung: Die Einwohner von Dundeen waren sich einig, dass es im Falle eines Verbrechens und der Ergreifung des Täters durch Sergeant Collins sehr unwahrscheinlich war, dass die Verhaftung im Rahmen einer Verfolgungsjagd zu Fuß erfolgt war.]

Schon diesen 1. Satz liebe ich! Gleich stelle ich mir vor, wie dieser Sergeant Collins, der irische Dorfpolizist, wohl aussieht. Diese Formulierung ist soviel charmanter, als lieblos zu schreiben „Ein dicker Dorfpolizist“… Ich habe sofort Lust, weiterzulesen.

Auch das Dorf wird mit einem passenden, kurzen Satz charakterisiert: Time didn’t pass in Dundeen, it seeped away.

[Die Zeit verging nicht in Dundeen, sie versickerte.]

Sofort habe ich das Bild eines langweilig-ruhigen Dorfes vor Augen, das im leichten, gleichförmigen Nieselregen konturlos verschwindet, ohne dass auch nur die winzigste Kleinigkeit außer der Reihe passiert. Hier verwendet der Autor einen Vergleich, denn Zeit kann ja nicht wortwörtlich versickern… Doch man weiß beim Lesen sofort, was er meint. Später wird eine Tragödie in ganz einfache und umso berührendere Worte gepackt:

Of course she missed him when he died, but what broke her heart was discovering that he hadn’t loved her enough not to leave.

[Natürlich vermisste sie ihn, als er starb, aber was ihr das Herz brach, war die Erkenntnis, dass er sie nicht genug geliebt hatte, um sie nicht zu verlassen.]

Dieser Satz beschreibt ein Mädchen, das nach dem Tod der Mutter auch noch den Vater durch Suizid verliert. Dieser Satz fasst in einfachen Worten herzzerreißend zusammen, wie das Mädchen sich fühlen musste. Es gibt so viele wunderbare weitere Beispiele, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann.

Mein Fazit: Ein lesenswerter Kriminalroman und gleichzeitig eine berührende Geschichte über Liebe, Geheimnis und Verlust, mit einem dunklen Grundton, leisem Humor und einem wunderbaren Sprachstil, der veranschaulicht, wie bildhafte Sprache funktioniert.

Wenn du jetzt Lust auf gute und bildhafte Texte und weitere Tipps (in meiner Nic-Post) dazu hast, melde dich gerne bei mir. Unter Kontakt findest du, was du brauchst. Ich freue mich auf deinen Anruf oder deine E-Mail. Oder nutze einfach dieses Kontaktformular:

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    Nicole Isermann

    Nicole Isermann steht seit über 25 Jahren für Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Unternehmerinnen mit echtem Herzens-Business und zu den Themen Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. Ihre Sprachlust befriedigt die Fachjournalistin u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

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