Von Abend(b)rot bis Zornesröte: Ich sehe rot in der Sprache

In meinem Beitrag #02 zur Blogdekade in The Content Society soll es heute um die Farbe Rot gehen. Auf die Idee hat mich Susanne Heinen mit ihrer Aktion #Farbkreisreise gebracht – bei ihr dreht sich im März im künstlerisch-kreativen Bereich nämlich alles um rot. Und da dachte ich, ich mache mich mal auf und suche das Rot in der Sprache, in der Literatur, im Wort. Das ist schließlich auch eine künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit dem Thema, nicht wahr?

Eigentlich sollte es hier auch um die verschiedenen Rottöne (kaminrot, rosarot, blutrot, karmesinrot, verkehrsrot, zornesrot etc.) gehen und um Worte, in denen das Wort rot enthalten ist (Butterbrot, Trotz, rotzen, Trott, Tarot, Sprotte, Erotik u. v. m.). Da diese Farbe aber so vielfältig ist, werde ich die fast 100 verschiedenen Rottöne, die ich gefunden habe, oder die Worte, die alle rot enthalten, zu einem anderen Zeitpunkt vollständig nachreichen. Heute geht es – weil ich das als bekennende Vielleserin noch viel spannender fand – um das Wort rot als Teil eines Buchtitels:

Rot in Buchtiteln

Das Wort Rot findet sich in Roman- oder Buchtiteln gar nicht so selten – und je tiefer ich gegraben habe, desto unterschiedliche literarische Geschichten habe ich gefunden. Das hat richtig viel Spaß gemacht, denn es war nicht ein Buch dabei (na ja, vielleicht eines), auf das ich nicht Lust hätte, es sofort zu lesen. Überraschenderweise – oder eben auch nicht – kommt die Farbe Rot am häufigsten in Büchern vor, die von Liebe und Verbrechen erzählen oder in Russland spielen. Hier habe ich eine nicht vollständige Liste als Lese-Anregung für dich:

Rot

von Uwe Timm, erschienen 2001: ein Kaleidoskop an gegensätzlichen Themen

Der neue Roman von Uwe Timm erzählt vom Jazzkritiker und Beerdigungsredner Thomas Linde, von seiner Liebesaffäre mit der Lichtdesignerin Iris, von Aschenberger, der tot ist und die Siegessäule sprengen wollte, von den Hoffnungen und Wünschen der 68er, von der Farbe Rot, von Lebensläufen und ihren Geheimnissen, von den Utopien und Verbrechen unserer Geschichte und von der Kostbarkeit des Lebens.

Klappentext des Romans

Der scharlachrote Buchstabe

von von Nathaniel Hawthorne, erstmals erschienen 1850: ein Buchstabe als Schandmal

Amerika im 17. Jahrhundert: Eine Frau, des Ehebruchs schuldig, steht am Schandpfahl und verrät nicht, wer der Vater ihrer Tochter ist. Die gestrenge puritanische Obrigkeit verurteilt sie, als Zeichen ihrer Schande lebenslang einen scharlachroten Buchstaben zu tragen. Die Folgen dieser übertriebenen Moralvorstellungen und die Mechanismen der gesellschaftlichen Ausgrenzung schildert Nathaniel Hawthorne mit psychologischer Raffinesse.

Buchbeschreibung Amazon

„Rot (Hunger)“

von Senthuran Varatharajah, erschienen 2022: ein Roman zwischen Wahrheit und Fiktion

Der Fall des „Kannibalen von Rotenburg“ wurde immer wieder künstlerisch bearbeitet. … Rot (Hunger) ist ein heftiger Text. Nicht, weil er auf die Gier nach Grausamkeit beim Leser setzt, sondern weil er sich traut, die Grausamkeit ins Visier der poetischen Sprache zu nehmen.

NDR Buchkritik

Zwischen Weiß und Rot

von Edwin Erich Dwinger, erschienen 1930/2001: heute aktueller denn je

Eine Darstellung des russischen Bürgerkrieges, die den Autor als Kandidaten für den Literaturnobelpreis ins Gespräch brachte. Denn es war dem Sohn einer russischen Mutter gelungen, beide Bürgerkriegsparteien authentisch zu schildern, in ihrem Wollen und ihren Idealen ebenso wie in ihren Grausamkeiten und Untaten.

Buchbeschreibung Amazon

Rote Kreuze

von Sasha Filipenko, erschienen 2020

Die alte Dame erzählt ihrem neuen jungen Nachbarn ihre Lebensgeschichte, die das ganze russische 20. Jahrhundert mit all seinen Schrecken umspannt.

Buchbeschreibung Thalia

Rot – Zwei Romane in Versen

von Anne Carson, erschienen 2019

Die Lyrikerin Anne Carson hat das Unbändigste und Verrückteste geschaffen, was die Literatur zur Zeit zu bieten hat. Sie setzt Homer in einen Teilchenbeschleuniger, um in der Zersplitterung alter Bedeutungen ein Spiegelbild unserer Gegenwart zu zeichnen. »Rot« ist ungeheuer erotisch und böse wie die griechischen Mythen, melancholisch und lasziv wie Velvet Underground.

Buchbeschreibung Fischer Verlag

Was rot war

von Enrico Ippolito, erschienen 2019: Vom Rom der 70er Jahre bis ins Köln der Gegenwart

Die Geschichte einer großen Liebe und einer großen Frauenfreundschaft. Nebst einer queeren Sidestory und viel feministischem Gedankengut. Was wollen Leser:innen mehr? Absolute Leseempfehlung.

Florian Valerius

Das rote Adressbuch

von Sofia Lundberg, erschienen 2019: Eine alte Dame erzählt ihre Geschichte

Doris wächst in einfachen Verhältnissen im Stockholm der Zwanzigerjahre auf. Als sie zehn Jahre alt wird, macht ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England.

Buchbeschreibung

Die rote Frau

von Alex Beer, erschienen 2019 (Band 2): Ein Kriminalfall für Ermittler August Emmerich, der Wien in den Nachwehen des Ersten Weltkriegs spielt.

Mein Fazit

Fazit 1

Diese nicht vollständige Auflistung zeigt mir, dass vor allem im Jahr 2019 die Farbe Rot offenbar besonders beliebt war für die verschiedenen literarischen Genres.

Fazit 2

Ich stelle fest, dass es sich lohnt, Bücher ab uns zu einfach mal nach einem Titel oder einem bestimmten Wort darin auszuwählen. So wie man manchmal auch eine Flasche Rotwein nicht nach Kenntnis oder Geschmack, sondern nach einem besonders schön oder künstlerisch gestalteten Etikett aussucht. Oder ist dir das etwa noch nie passiert? Ehrlich nicht? Mir schon öfter. So habe ich nach meiner abgebrochenen Australienreise vor 2 Jahren besonders gerne Weine mit Koalas und Kängurus darauf getrunken – Klimakrise hin oder her – das war mir damals ein seelisches Bedürfnis…

Exkurs

Ach ja, ich schrieb ja eingangs, dass die #Farbkreisreise „Schuld“ an diesem Blogbeitrag ist – natürlich habe ich auch gestalterisch an der Aktion teilgenommen und auf Instagram eine Fotocollage eingereicht – es ging um Haushaltsgegenstände. Klick unbedingt mal auf den Hashtag – da findest du sehr kreative Beiträge…

Meine #Farbkreisreise-Fotocollage (im Uhrkreis von links): Cartoon von @dichtungsding; Cherrytomaten; Wiener Kalk Scheuerpulver; Magnetgummibärchen; Marmeladenglasdeckel; selbst gebackene Kekse einer Freundin; Massage-Igelball; Blumenmagnet.

Verrätst du mir im Kommentar noch kurz, welches „rote“ Buch aus meiner kleinen Recherche dich am meisten anspricht und warum? Viel Vergnügen!

 

 

Nicole Isermann

Nicole Isermann steht seit über 25 Jahren für Text, Redaktion und PR mit Leidenschaft! Mit Einfühlungsvermögen verfasst und bearbeitet die Wahlbonnerin Texte, die ankommen, berühren und Mehrwert liefern - am liebsten für Unternehmerinnen mit echtem Herzens-Business und zu den Themen Essen & Trinken, Lesen & Schreiben, Reisen & Kultur, Natur & Umwelt oder Engagement & Lernen. Ihre Sprachlust befriedigt die Fachjournalistin u. a. mit ihren kreativen Elfchen und Zelfchen. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich für Kultur-, Kirchen- und soziale Projekte.

4 Gedanken zu „Von Abend(b)rot bis Zornesröte: Ich sehe rot in der Sprache

  • 23. März 2022 um 8:26
    Permalink

    Wow, was für eine tolle Idee, die Farbkreisreise in Buchtiteln und Wörtern umzusetzen! Großartig! Mir fällt dazu spontan noch Aitmatow „Du meine Pappel im roten Kopftuch“ ein.

    Antwort
    • 23. März 2022 um 17:56
      Permalink

      Ah – noch ein toller Buchtipp – danke dir sehr! Werde ich mit aufnehmen in den Beitrag!
      Viele Grüße von Nicole

      Antwort
  • 22. März 2022 um 20:53
    Permalink

    Ich habe kein Buch aus deiner Liste gewählt, sondern eine Novelle von Giovanni Verga „Rosso Malpelo“ (der Rotfuchs).
    Sie erzählt die Geschichte eines armen, rothaarigen Jungen, der um 1800 in Sizilien lebt. Die Leute fürchten und verachten ihn, da rote Haare vom Teufel stammen …

    Antwort
    • 23. März 2022 um 17:57
      Permalink

      Klasse – in Fremdsprachen könnte ich natürlich auch nochmal suchen… Danke für diesen schönen Buchtipp!
      Viele Grüße von Nicole

      Antwort

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