Ganz und gar grau – oder auch nicht!

Soll ich oder soll ich nicht… Länger habe ich mich gefragt, ob ich mich an der Blogparade von Renate Schmidt mit dem Titel „Killen graue Haare das Business von Frauen?“ beteiligen soll – denn ich muss gestehen: Ich bin ganz und gar grau. Und ich färbe meine Haare – bzw. lasse nun wieder färben…

Ich sehe mich selbst noch nicht mit völlig grauen Haaren – egal ob im Business, als Mutter, Freundin oder Frau. Die Zeit ist noch nicht reif für mich, um mich meinem grauen Selbst zu nähern, es an mich heranzulassen, mich so natürlich grau zu nehmen, wie ich bin…

Grey is beautiful! Grau ist toll!

Doch warum ist das so? Für mich sind graue Haare nämlich absolut nicht negativ besetzt. Ganz im Gegenteil:

Meine Tante, meine Mutter, meine Oma und meine Uroma habe ich alle noch mit ihren grauen Haaren erlebt und geliebt. Mein Opa hatte sogar schon mit Ende zwanzig – weit vor meiner Geburt – wunderschönes, schlohweißes Haar… Und zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen gehört es, dass ich ihm – abends nach dem Tiere Füttern auf dem Bauernhof, frisch geduscht und satt im Fernsehsessel sitzend – hingebungsvoll mit einem silbernen Metallkamm diese wunderbaren, hellen Haare kämmen durfte. Wie schön, dass diese Erinnerung beim Schreiben gerade automatisch in mir hochkommt – daran habe ich lange gar nicht mehr gedacht!

Meine Oma hat ihrer Mutter, meiner Uroma, bis zu ihrem Lebensende täglich die feinen graumelierten Haare gekämmt und zu einem langen, nach unten hin immer dünner werdenden Zopf geflochten – und ich stand staunend daneben und habe zugeguckt – unzählige Male.

 

Hilfe, die Grauen kommen!

Und dennoch – als bei mir die ersten vereinzelten grauen Haare auftauchten, war ich erschüttert: Was wollt ihr denn schon hier? Warum denn so früh? Ich bin doch gefühlt gerade erst erwachsen geworden und noch gar nicht im Grau-Modus angekommen? Das ganze Leben liegt doch noch vor mir? Und warum seid ihr so dick und steif und hell und auffallend?

Ganz klare Sache: Ich war einfach noch nicht so weit! Konsequent habe ich also ALLE grauen Haare gesucht, gefunden und rausgezupft – regelmäßig… Das ging ein paar Jahre lang gut, aber dann wurden es einfach zu viele.

Natürlich grau oder künstlich braun?

So habe ich angefangen, selbst zu färben – mit all dem lästigen Umstand, der dazu gehört: Chemie auf dem Kopf, klebrige Plastik- oder Gummihandschuhe an der Haut, Farbgesprenkel in Dusche und Handtuch, lästiges Putzen und Waschen, einen Tag lang eine juckende Kopfhaut… Schön war das nicht. Und alle paar Wochen das sich wiederholende Spiel.

Mittlerweile habe ich zum Glück eine Friseurin, die das Färben für mich übernimmt. So war es nach langen Jahren eine echte Erfahrung, in den beiden Corona-Lockdowns doch wieder selbst färben zu müssen. Ja, ich schreibe bewusst müssen – denn noch immer fühlt es sich nicht so an, als wolle ich mich mit den grauen Tatsachen auf meinem Kopf auseinandersetzen, sie akzeptieren… In meinem Instagram-Beitrag vom 13. April 2020 habe ich das thematisiert. Auch jetzt im 2. Lockdown hatte ich einmal selbst gefärbt – und vorher zum Glück „the girls best friend“ – zur Hand gehabt: das wunderbare Ansatz-Spray, mit dem ich meinen grauen Scheitel durch ein paar Sprühstöße ganz easy kaschieren konnte – funktioniert wie Haarspray! Dabei wäre jetzt doch ein richtig guter Zeitpunkt gewesen, die Farbe einfach mal herauswachsen zu lassen – so mit Homeoffice und ohne Termine, zu denen man „schön“ sein musste. Aber nicht mit mir – gleich am 2. März hatte ich einen Friseurtermin ergattert und glücklich schneiden und färben lassen… Der Instagram-Post dazu hat folgerichtig ganz schön viel Resonanz gehabt, denn nach einem richtigen Schnitt haben sich offensichtlich viele gesehnt, ob grau oder nicht!

 

Ich bin ich – mit grauen, braunen oder bunten Haaren!

Aber ehrlich gesagt habe ich jetzt erst beim Lesen der Blogparade-Beiträge und der aktiven Auseinandersetzung damit gemerkt, dass ich mir diese Frage noch immer nicht stelle: Ob ich grau sein will, ob es raus muss? Und tatsächlich hat das keinen tieferen Grund. Ich habe keine Angst davor, als Grauhaarige unterzugehen, nicht wahrgenommen zu werden, unsichtbar zu sein, nicht attraktiv genug zu sein… Ich gefalle mir mit meiner Ursprungshaarfarbe einfach noch immer so gut wie früher – und deshalb experimentiere ich auch gar nicht mit anderen Farben, ich bleibe bei der, die ich immer schon hatte, vielleicht eine Nuance dunkler, um das „straßenköterblond“ ein bisschen schicker wirken zu lassen… Auch meine Frisur hat sich gefühlt seit 15 Jahren nicht geändert, da ich sie mag, wie sie ist, zu mir passt, pflegeleicht ist. Ich bin da beständig…

Kindermund tut Wahrheit kund: Bloß nicht grau!

Meine Kinder haben vor einigen Jahren, als die ersten ihnen bekannten Mütter begannen, ihre grauen Haare auswachsen zu lassen, mit mir geschimpft und gesagt, ich solle das bloß nicht auch machen. Für sie war das offensichtlich ein Thema, während ich da völlig leidenschaftslos war.

Jetzt sind sie beide groß und fast erwachsen, und vielleicht wären sie nun entspannter. Aber mein Bauchgefühl sagt mir noch nicht, dass es soweit ist, mich sichtbar zum Grau zu bekennen. Ich spreche offen darüber, dass ich färbe, es ist kein Tabu, aber es ist für mich noch keine Last, alle paar Wochen diese Haarfärbe-Prozedur über mich ergehen zu lassen. Die modernen Farben halten gut, machen das Haar glänzend, stinken und jucken nicht mehr – und beim Friseur ist es so viel entspannter, als wenn ich es selbst tun müsste.

Grau im Business – normal oder ein No-Go?

Doch zurück zur Anfangsfrage der Blogparade: Renate Schmidt fragt, ob grau das Business von Frauen killt. Ich glaube nein. Denn für mich – und hoffentlich auch viele andere Menschen –  ist es viel wichtiger, ob der Mensch, egal ob männlich, weiblich oder divers, die äußere Ausstrahlung hat, die ihn und seine Tätigkeit authentisch rüberbringt. Ob Körperhaltung, Erscheinung, Stimme, Kleidung, Auftreten und Benehmen ein harmonisches und passendes Ganzes ergeben. Da sind graue Haare als einzelner Punkt für mich überhaupt kein Wertungskriterium. Frau oder Mann können mit gefärbten, natürlichen oder grauen Haaren gleichermaßen toll oder blöd aussehen – je nach Kontext und Situation. Trotz der vielen verbreiteten Klischees zu grauen Haaren bei Männern und Frauen bin ich der Meinung, dass die gesamte Persönlichkeit das Maß der Dinge dafür sein sollte, ob man Seriosität und gleichzeitig Modernität, Agilität, Lebenslust und Freude ausstrahlt oder eben nicht.

Grau hat Stil

„In der Regel können wir davon ausgehen, dass die Natur es richtig macht: Die Art, wie wir ergrauen, passt vom Farbton her zu Teint und Iris und sorgt so für ein harmonisches Bild von Haut-, Haar und Augenfarbe.“

Das schreibt Katharina Starlay, Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat, im November 2017 im manager magazin unter dem Titel „Passen graue Haare zum Erfolgs-Outfit? Warum Silber goldrichtig ist.“

Leider kann man es sich als Mensch jedoch nicht aussuchen, ob man so ein tolles silbergrau erwischt wie mein Opa und meine Oma, oder ein eher struppig-dunkles grau wie meine Tante. Denn wie die eigenen Haare ergrauen – eher kühl und silbergrau oder warm und damit gelblich – entscheidet sich allein durch die Pigmente, die in seiner Erbanlage vorkommen und so den Farbtypen bestimmen. Und ob man mit dem persönlichen grau – privat wie im Business – gut aussieht oder nicht, kann man laut Starlay perfekt durch die passenden Farben in der Kleidung sowie durch Schnitt, Pflege und Style der Frisur steuern. (Quelle: manager magazin online vom 14.11.2017, abgerufen am 10. März 2021)

In diesem Sinne: Grau ist alle Theorie! Und wenn Sie sich grau, weiß, braun, rot, blond, kariert, getupft oder gesträhnt so richtig wohl in Ihrem Haar und in Ihrer Haut fühlen, sind Trends, Meinungen oder Klischees doch völlig egal, oder?

Die Blogparade von Renate Schmidt läuft noch bis zum 15. März 2021 – hier geht es zu ihrem Aufruf und ihrem Blogbeitrag.

Wie stehen Sie zu grauen Haaren? Ist das ein Thema? Beruflich oder privat? Hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar.

Nicole Isermann

Nicole Isermann ist seit über 25 Jahren freie und fest angestellte Fachjournalistin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie arbeitet für Unternehmen, Vereine, Verbände, Agenturen oder Gründer. Der Blog PRojektText.com bietet alles rund um professionelle PR für KMU und das zielgruppengerechte Texten: on- wie offline.

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